Opel Austria-Arbeiter müssen keine Lohneinbußen fürchten

20. März 2002, 12:36
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Rottmayer: Gleiches Lohnniveau nach Rückkehr aus Arbeitsstiftung

Wien - Jene mehreren hundert Arbeiter des Wiener Opel Austria-Powertrain-Werks, die bis zum Produktionsbeginn für den neuen Großauftrag rund ein Jahr in einer Arbeitsstiftung umgeschult werden, können damit rechnen, Anfang 2004 wieder zu den "alten" Bedingungen eingestellt zu werden. Dies stellte Opel Austria-Chef Franz Rottmeyer am Mittwoch in eindeutiger Weise klar. Rottmeyer empfing am Mittwochvormittag Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), der einen soeben bekannt gewordenen Getriebe-Großauftrag zum Anlass nahm, dem Werk in Wien-Aspern einen Besuch abzustatten.

Schüssel gratulierte der Geschäftsführung und den Mitarbeitern von Opel Austria Powertrain zur Vergabe des konzernintern lange umkämpften Großauftrags nach Wien. "Wir sind stolz auf Aspern und auf das gesamte Team, das dahinter steht", sagte der Kanzler, der die 300-Millionen-Euro-Investition von Fiat-GM als Beweis dafür wertete, dass das Investitionsstandort Österreich doch nicht so schlecht sei, wie "Skeptiker" vermuteten. Über die von der Wirtschaft gewünschte Senkung der Unternehmenssteuern befragt, meinte der Kanzler, Österreich sei "bei der Unternehmensbesteuerung nicht so schlecht". Dies zeige ein vergleichender Blick in europäische Nachbarländer. "Wir konzentrieren uns zunächst auf die Lohnnebenkostensenkung. Dieser Punkt steht für mich im Vordergrund." Wenn "wir das notwendige Volumen (für die Steuerreform, Anm.) zusammenbringen, kann das in einer zweiten Etappe ein Thema sein", sagte Schüssel.

Keine schlechteren Verträge

Rottmeyer trat bei seinem öffentlichen Auftritt mit Schüssel kursierenden Gerüchten entgegen, wonach die notwendig werdende Kündigung und spätere Wiedereinstellung von mehreren hundert Arbeitern dazu benutzt werden könnte, um durch schlechtere Verträge die Lohnkosten zu senken. "Dies kommt nicht in Frage, nicht mit mir und nicht mit (dem Werksdirektor, Anm.) Werner Hackl", erklärte Rottmeyer. Für qualitative Höchstleistungen brauche man eine motivierte Mannschaft, die Leute bekämen bei Wiedereinstellung "keinen Cent" weniger.

Das Fiat-GM-Powertrain-Joint Venture hat Ende vergangener Woche entschieden, einen Großauftrag für ein neues Sechsganggetriebe ("M-20") nach Aspern zu vergeben. Pro Jahr sollen bis zu 800.000 Getriebe gefertigt werden. Da die Produktion des bisher gefertigten F-13-Getriebes Ende 2002 abgezogen wird und die Produktion des neuen Getriebes erst im Februar 2004 beginnt, soll eine noch nicht näher bezifferte Anzahl von Mitarbeitern ein Jahr lang in einer Arbeitsstiftung umgeschult werden.

Empörung bei italienischen Gewerkschaften

Die Vergabe des Großauftrags für ein neues Sechsgang-Getriebe an das Asperner Getriebe- und Motorenwerk Opel Austria Powertrain stößt auf heftige Proteste bei italienischen Gewerkschaften. Die Arbeitnehmer der Turiner Autogruppe FIAT hatten gehofft, dass das Powertrain-Werk in der süditalienischen Stadt Termoli den Auftrag in Höhe von rund 300 Mill. Euro für die Fertigung des Sechsgang-Getriebes erhalten würde. Dies hätte mehrere Hundert Arbeitsplätze für die nächsten Jahre abgesichert, so die Gewerkschaften am Mittwoch. Powertrain ist ein Joint Venture zwischen Fiat und General Motors (GM).(APA)

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