Weltweiter Polizei-Einsatz gegen Kinderpornografie im Internet

20. März 2002, 10:44
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Zugriffe in Europa, Asien und den USA - 31 Verdächtige aus elf Staaten im Visier

Eine internationale Polizeiaktion gegen Kinderpornografie im Internet hat am Mittwoch früh begonnen. Sicherheits- und Zollbehörden durchsuchten ab 6.00 Uhr in Deutschland, Großbritannien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Schweiz, Schweden, Spanien und den USA in einer gemeinsamen Operation Gebäude wegen des Verdachts der bandenmäßigen Verbreitung von Kinderpornografie im Netz.

31 Tatverdächtige identifiziert

Weltweit sind den Angaben zufolge bisher 31 Tatverdächtige in elf Staaten identifiziert worden. Gegen sie besteht außerdem der Verdacht, entweder selbst Kinder sexuell missbraucht oder zumindest engen Kontakt zu den Tätern zu haben, da das bereits früher sichergestellte kinderpornografische Material eine erschreckende Brutalität zeige. Auf internationaler Ebene werden die Ermittlungen bei der Zentrale von Interpol in Lyon gebündelt und gesteuert. Österreich ist von der Polizeiaktion nach Angaben der Internet-Meldestelle des Innenministeriums nicht betroffen.

Trotz Sicherungsmaßnahmen der Betreiber Einblicke erhalten

In Deutschland fanden Durchsuchungen bei fünf Tatverdächtigen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Hamburg statt. Bereits Ende Mai vergangenen Jahres hatte das BKA erste Hinweise auf einen privaten und geheimen Raum (Channel) im Internet Relay Chat (IRC) erhalten, in dem vermutlich große Mengen von Daten kinderpornografischen Inhalts getauscht werden. Den Ermittlern sei es trotz vielfältiger Sicherungsmaßnahmen der Betreiber gelungen, Einblick in diesen Channel zu bekommen, berichtete das BKA.

Die deutsche Polizei kam zunächst einem 40-Jährigen aus Münster (Nordrhein-Westfalen) auf die Spur, der bereits 1998 wegen Verbreitung von Kinderpornografie zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden war. Ende vergangenen Jahres wurde seine Wohnung durchsucht. Der 40-Jährige wurde auf frischer Tat ertappt; er hatte gerade Kontakt zum verdächtigen Channel, in dem sich zehn weitere Personen aufhielten. Er gab an, Gründer des Channels zu sein. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

Ein weiteres Mitglied des Kinderpornografie-Rings wurde im Dezember in Frankreich festgenommen. Bei ihm wurden auf zwei Computern mit einer Speicherkapazität von jeweils 40 Gigabite sowie 63 CD-ROM etwa 200.000 Bilddateien sowie weitere rund 1.000 Videodateien mit Kinderpornografie sichergestellt. Auch dieser Tatverdächtige befindet sich in Haft.

"wOnderland" bereits 1998 ausgehoben

Die Ermittler haben laut BKA Wiesbaden den Verdacht, dass sich die Nutzer des verdächtigen Channels schon seit längerer Zeit intensiv mit der Beschaffung und Verbreitung von Kinderpornografie beschäftigen. Einige der Mitglieder dürften sich bereits in dem 1998 aufgedeckten Kinderporno-Ring mit der Bezeichnung "w0nderland" betätigt haben.

Als Ergebnis der der Aktion am Mittwoch sei erneut mit der Sicherstellung großer Mengen an kinderpornografischen Dateien zu rechnen, teilte das BKA mit. Den Polizeibehörden sei es gelungen, in abgeschottete Bereiche des Internet vorzudringen, deren Nutzer sich offensichtlich wegen verschiedener Schutzmaßnahmen sicher fühlten.

Weitere Ergebnisse der Aktion wollte das deutsche Bundeskrminalamt am Nachmittag mitteilen. Das BKA hat eine Koordinierungsstelle mit der Bezeichnung "ARTUS" eingerichtet.(APA/AP)

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