Rezession: Wir hatten sie letztes Jahr

20. März 2002, 17:06
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Wifo-Gesamtrechnung: Bauinvestitionen waren dramatisch gesunken - Konjunkturbild im bisherigen Jahresverlauf verbessert

Wien - Österreichs Wirtschaft war im Jahr 2001 in einer "technisch definierten Rezession", wenn man den in den USA üblichen Maßstab heranzieht, nämlich ein in zwei Quartalen hintereinander geschrumpftes reales Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im vierten Quartal 2001 ist das BIP gegenüber dem Vorquartal real um 0,2 Prozent zurückgegangen, im dritten Quartal 2001 war es bereits um 0,4 Prozent geschrumpft. Im ersten und zweiten Quartal 2001 gab es nach dieser Definition jeweils noch einen realen BIP-Zuwachs um 0,1 Prozent. Dies geht aus der jüngsten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) hervor.

Im Gesamtjahr 2001 ist Österreichs Wirtschaft real um ein Prozent gewachsen, geht aus der jüngsten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) hervor. Die bisher letzte Prognose vom 20. Dezember (1,1 Prozent) wurde damit leicht unterschritten.

Wie bereits im 3. Quartal 2001 hat sich die Inlandsnachfrage auch im 4. Quartal schwach entwickelt. Der Privatkonsum hat im 4. Quartal 2001 real im Jahresabstand nur um 1 Prozent zugenommen. Im Gesamtjahr 2001 ist der Privatkonsum um 1,3 Prozent gewachsen, 2000 waren es noch 2,5 Prozent. Die staatliche Nachfrage hat im 4. Quartal (plus 0,3 Prozent) annähernd stagniert, was auch auf das Gesamtjahr zutrifft. Die Konjunkturschwäche und die ungünstigen Erwartungen haben die Unternehmen bei den Ausrüstungsinvestitionen zurückhaltend agieren lassen. Trotz eines leichten Anstiegs im 4. Quartal um 0,6 Prozent ergab sich im Schnitt des Gesamtjahres ein Rückgang um 1,2 Prozent.

Bauinvestitionen dramatisch gesunken

Besonders drastisch sind die Bauinvestitionen gesunken, wofür neben der allgemeinen Konjunkturschwäche auch Überkapazitäten im Wohnbau verantwortlich waren. Das 4. Quartal brachte einen Einbruch um real 5,1 Prozent, im Jahresschnitt betrug der Rückgang 2,2 Prozent.

Der reale Export (Waren und Dienstleistungen) hat im 4. Quartal mit 5,5 Prozent Zuwachs leicht an Dynamik gegenüber dem 3. Quartal (plus 4,4 Prozent) gewonnen. Der Warenexport nahm um 3 Prozent zu, die Dienstleistungsexporte um 9,8 Prozent. Die Zuwachsrate der realen Importe hat mit 5,7 Prozent im 4. Quartal jene der Exporte überstiegen. Auch importseitig waren Dienstleistungen (plus 9,6 Prozent) deutlich stärker nachgefragt als Waren (plus 3,9 Prozent). Im Gesamtjahr wuchsen die Exporte real mit 5,5 Prozent kräftiger als die Importe (plus 3,6 Prozent), womit der Außenhandel einen positiven Wachstumsbeitrag leistete.

Indikatoren für positivere Stimmung

Vom Konjunkturbild her habe sich im bisherigen Jahresverlauf wenig geändert. Vorläufige Indikatoren zeigten aber, dass die Stimmung in der Wirtschaft positiver geworden ist, sagte Marcus Scheiblecker vom Wifo zur APA. In seiner Dezember-Prognose sei das Wifo von einem Aufschwung zur Jahresmitte 2002 ausgegangen, das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wurde unter dieser Voraussetzung mit 1,2 Prozent für das Gesamtjahr 2002 prognostiziert.

Falls im 2. Quartal ein leichter Aufschwung einsetze, würde das noch zur Dezember-Prognose passen, sagte Scheiblecker. Derzeit, rund dreieinhalb Wochen vor der nächsten Konjunkturprognose, könne man noch nicht sagen, ob das Wifo seine BIP-Vorhersage für 2002 nach oben revidieren werde.

In Deutschland, von dessen Konjunkturentwicklung Österreich stark abhängig ist, streuen die jüngsten Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute beträchtlich. Das Hamburgische Weltwirtschafts-Archiv (HWWA) hat für 2002 ein reales BIP-Wachstum in Deutschland von 0,7 Prozent aus dem Computer gezogen, das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) geht dagegen von einem Aufschwung auf 1,2 Prozent aus.

In der Euro-Zone gab es im 4. Quartal 2001, ebenso wie in Österreich, einen realen Rückgang des BIP um 0,2 Prozent. (APA)

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