Ein Grundübel der Gewalt gegen Frauen liegt in den patriarchalen Gesellschaften

21. März 2002, 11:28
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OSZE-Seminar zur "Prävention und Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen"

Wien - Ein von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) organisiertes Seminar zum Thema "Prävention und Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen" ist am Dienstag in Wien zu Ende gegangen. Vertreterinnen von staatlichen Institutionen und Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt diskutierten zwei Tage vor allem über Gewalt in Familien, Gewalt in Gemeinschaften und die Situation der Frauen vor und nach Konfliktsituationen.

Sexuelle Gewalt bei bewaffneten Konflikten

Die Vorsitzende der Task Force gegen Menschenhandel des Stabilitätspaktes für Südosteuropa sieht ein Grundübel der Gewalt gegen Frauen in den patriarchalen Gesellschaften, wobei diese aber keineswegs nur in "entfernten Gefilden" anzutreffen seien. "Auch wir selber müssen uns an die Nase nehmen", sparte die ehemalige SPÖ-Frauenministerin Konrad nicht mit Selbstkritik. Die Vorsitzende der OSZE- und Europarats-Direktion im jugoslawischen Außenministerium, Sladjana Prica, betonte, dass Übereinstimmung herrschte, dass jegliche Gewalt gegen Frauen als Verletzung der Menschenrechte behandelt werden müsse. Zudem sei vereinbart worden, dass vor allem sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten als "schwere Straftat gegen die Menschlichkeit" behandelt werden müsste.

Zwar hätten Jugoslawien und alle Länder in Südosteuropas internationale Dokumente und Instrumente angenommen, die Gewalt gegen Frauen verbieten, aber zwischen der Erfüllung der Pflichten und der Praxis bestehe noch eine große Kluft, betonte Prica. Sie hob vor allem das Problem des Menschen- und Frauenhandels in Südosteuropa hervor, der strikt bekämpft werden müsse.

Hilfe für die Opfer

Die OSZE-Botschafterin Bosnien-Herzegowinas, Emina Keco-Isakovic, wies auf das Problem der während des Krieges in Ex-Jugoslawien (1991-1995) vergewaltigten Frauen hin. Sie betonte die Wichtigkeit von unterstützenden Projekten für die Opfer. "Allein in Bosnien-Herzegowina gibt es etwa 50.000 solche Fälle, über die niemand mehr spricht", kritisierte Keco-Isakovic. Ein großes Problem seien auch "die Kinder, die unter diesen Gegebenheiten geboren wurden". Sie müssten psychologisch betreut werden. "Diese Kinder müssen sozialisiert und integriert werden, sonst tragen sie den Hass weiter und dieser könnte später eskalieren", warnte die Botschafterin. (APA)

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