UNO- Ernährungsbeauftragter Jean Ziegler: In Brasilien herrscht die weltweit größte soziale Ungerechtigkeit

19. März 2002, 20:45
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Regierung weist Vorwürfe zurück

Rio de Janeiro - Brasiliens Regierung hat Vorwürfe des UNO-Sonderberichterstatters für Ernährung, Jean Ziegler, zurückgewiesen, dass in dem Land die weltweit größte soziale Ungerechtigkeit herrsche. Der UNO-Sonderberichterstatter für Ernährung bezeichnete das Hungerproblem in Brasilien als "Verbrechen". Das Außenministerium bedauerte am Dienstag in einer offiziellen Erklärung zutiefst den "wenig konstruktiven Ton und die unausgewogenen Erklärungen" des früheren Schweizer Parlamentsabgeordneten. Solche Äußerungen könnten die Objektivität seiner Mission gefährden, hieß es.

Ziegler hatte nach einer 18-tägigen Rundreise durch sechs brasilianische Bundesstaaten am Montag in einem Interview mit der Tageszeitung "Folha" Kritik geäußert. Er verglich Brasilien mit einem Konglomerat aus "Frankreich, Deutschland und Somalia". Der Hunger im Land sei nicht "eine Unabwendbarkeit, sondern ein Verbrechen, sagte der Soziologe. Es gebe keine Entschuldigung, dass in einem reichen Land wie Brasilien 23 von 170 Millionen Menschen Hunger leiden müssten. Ziegler wird am 1. Juli der UNO einen Bericht über die Ernährungssituation in Brasilien präsentieren. (APA/sda)

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