Bewusstlos

20. März 2002, 19:34
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Karl Schlögl, eine Zeit lang die Nachwuchshoffnung der SPÖ, hat von "nichts etwas gehört". Vom Mundverkleben bei Abschiebungen nämlich. Das ist auf den ersten Blick vollkommen unglaubwürdig. Sein Vorvorgänger Löschnak wusste konkret davon; sein Vorgänger Einem hatte wenigstens so eine Ahnung, die sich aber bei Nachforschungen nicht konkretisieren ließ (tolle Kriminalisten im Innenministerium).

Zu Zeiten von Schlögl gab es immerhin eine parlamentarische Anfrage wegen Mundverklebens - aber der Minister erklärte als Zeuge vor Gericht, er könne nicht jede Anfrage lesen.

Nun liegt die Frage nahe: Wer tut so etwas dann? Sein Büro? Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit? Der Klubchef der SP-Fraktion?

Irgendwer wird den Minister von einer so brisanten Sache unterrichten. Nein. Schlögl hat "von solchen Maßnahmen nichts gewusst". Und hier sei eine Vermutung gewagt: Schlögl lügt nicht. Er hat alles, was in seinem Ministerium nach echtem Ärger, nach Verantwortung aussah, ausgeblendet.

Er hatte den Blick fest auf die Schlagzeile der Krone und die Meinungsumfragen gerichtet. Er war ein bewusstloser Innenminister. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 20. 3. 2002)

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