Sanierungsfall Premiere World

21. März 2002, 19:03
posten

Koflers Rettungsplan: Stellenabbau, billiges Einstiegsabo - Banken streiten

Dienstag präsentierte der neue Premiere-Chef Georg Kofler seinem Aufsichtsrat einen Rettungsplan. Das Pay-TV-Angebot ist größter Verlustbringer des hoch verschuldeten Medienkonzerns von Leo Kirch.

Sonntag wurde ein Treffen von Kirch-Gruppe und Gläubigerbanken ohne Fortschritte vertagt. Kofler bat laut Financial Times Deutschland schon dabei die Banken um einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag. Finanzspritze und radikaler Sparplan sollen Premiere binnen zwei Jahren in die Gewinnzone führen. Derzeit verliert der Sender rund zwei Millionen Euro täglich. Kofler plant Stellenabbau, Halbierung des Werbebudgets und ein billiges Einsteiger-Abonnement. Mit den großen US-Filmstudios verhandelt man derzeit über Preissenkungen für eingekauftes Programm. Laut Süddeutscher Zeitung ließ Premiere-Gesellschafter Rupert Murdoch schon signalisieren, er werde dem Rettungsplan wohl nicht zustimmen.

Deutsche Bank plädiert für weitreichenden Verkauf

Bankenkreisen zufolge gibt es erhebliche Differenzen unter den acht Hauptkreditgebern Kirchs über dessen Sanierungsplan für den Gesamtkonzern. Mindestens vier Instituten soll er Beteiligungen an seiner profitablen KirchMedia (Pro Sieben, Sat.1) angeboten haben. Die Deutsche Bank, deren Kredite am besten durch Kirchs Anteil am Springer-Verlag abgesichert sind, plädiert für weitreichenden Verkauf von Unternehmensanteilen und will keine Mittel mehr zur Verfügung stellen. Die anderen Banken wollen indes einen Konkurs vermeiden, um nicht bis zu mehrere hundert Millionen Euro abschreiben zu müssen.

Das ZDF dementierte Berichte, mit der ARD über Kirchs TV-Rechte für die Fußball-WM 2006 zu verhandeln.

Jan Mojto, langjähriger Kirch-Manager, macht sich, wie schon Ende des Vorjahres verlautet, mit einer Produktionsfirma selbstständig. "Weiter vorgesehen" ist er aber als Aufsichtsratschef der Kirch Media, sagte ein Kirch-Sprecher dem STANDARD. (afs, jed/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 20. März 2002)

Share if you care.