Kürzung des Sonderurlaubs für Beamte: Neuer Kompromiss

19. März 2002, 19:36
posten

Ein Kommentar von Eva Linsinger

Urlaub, das hört sich für die meisten nach Palmenstrand oder ähnlich Verlockendem an. Und mit dem Berufsstand der Beamten wird nach dem gängigen Vorurteil auch nicht gerade Arbeitsstress verknüpft. Kein Wunder, dass die Institution des bezahlten Sonderurlaubs für Beamte auf wenig Verständnis gestoßen ist - bis hin zur Vizekanzlerin. Populistisch-forsch hat sie nach der durch den Sonderurlaub für den Beamten und Sozialversicherungspräsidenten Herwig Frad ausgebrochenen Diskussion gleich das komplette Ende der Sonderurlaube gefordert.

Gut, dass nach Diskussionen und Verhandlungen dann doch eine weniger forsche, dafür aber vernünftigere Lösung herausgekommen ist. Denn Beamte genossen ihren Sonderurlaub eben nicht am Palmenstrand - sondern werkten in der Zeit in der Gewerkschaft oder, wie Frad, im Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Die Regelung, Beamten für gewerkschaftliche Arbeit Sonderurlaub zu gewähren, war ein Ende der 60er-Jahre entstandener Kompromiss, mit dem der Bund kompensierte, dass für die Beamten kein Zentralbetriebsrat und keine Kammern eingeführt wurden. Ein Kompromiss, der im Lauf der Zeit ausgenutzt - und nun adaptiert wurde.

Der Sonderurlaub bleibt erhalten - aber niemand darf künftig wie Frad jahrelang Sonderurlaub an Sonderurlaub reihen. Beamte, die länger als drei Monate nicht an ihren Schreibtisch kommen wollen, weil sie etwa für die Gewerkschaft arbeiten, werden dienstfrei gestellt - auf Kosten der Gewerkschaft. Dafür zahlt der Bund künftig für Leistungen der Gewerkschaft, wie etwa Schulungen für Beamte. Eine Regelung, die zwar den Steuerzahler nicht viel günstiger kommt, aber eigentlich mehr Transparenz bringen müsste. Und den Kompromiss aus den 60er-Jahren durch einen zeitgemäßen Kompromiss ersetzt. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 20. 3. 2002)

Share if you care.