Gehrer verteidigt Projektgruppe

19. März 2002, 19:23
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Ministerrat segnete Kommission für Staatsvertrags-Ausstellung ab

Wien - Es sei "völlig überflüssig", wenn die österreichischen Zeithistoriker für die Gestaltung der Staatsvertrags-Ausstellung jemanden aus ihrer Mitte nominieren wollten, denn Projektleiter Manfried Rauchensteiner werde selbstverständlich weitere Experten hinzuziehen. So verteidigte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer in einer schriftlichen Stellungnahme die Besetzung der Projektgruppe, die die Ausstellung "50 Jahre Staatsvertrag" vorbereiten soll. "Gerade Professor Rauchensteiner besitzt umfangreiche Erfahrungen, sowohl die inhaltliche Projektleitung wahrzunehmen, als auch die Umsetzung im Rahmen einer Ausstellung sicherzustellen." Rauchensteiner ist Leiter des Heeresgeschichtlichen Museums.

Primäre Aufgabe der Arbeitsgruppe sei die für 2005 geplante Schau zu konzipieren. Darauf aufbauend solle dann "das Haus der österreichischen Zeitgeschichte entstehen", so Gehrer.

Gehrers Stellungnahme ist die Antwort auf einen offenen Brief an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, in dem eine Reihe von Zeithistorikern (DER STANDARD berichtete) die Auswahl der Mitglieder kritisiert hatte. Sie sahen sich weder einbezogen noch repräsentiert.

Auch die Grünen kritisierten die "einseitige blau-schwarze Besetzung" der Projektgruppe, "behübscht mit einem roten Feigenblatt" (gemeint ist der Wiener Restitutionsbeauftragte Kurt Scholz). Die grüne Kultursprecherin und stellvertretende Parteichefin Eva Glawischnig bezeichnete es als besonders auffällig, dass Zeitgeschichtsforscher völlig fehlten, die bisher federführend in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit waren. Dafür dürfe "der Ex-FP-Abgeordnete Willi Brauneder seine deutschnationalen Sichtweisen zum Besten geben".

Glawischnig meinte, von dieser Kommission sei keine seriöse und zeitgemäße Aufarbeitung der jüngsten Geschichte Österreichs zu erwarten. Die Grünen unterstützen daher die Forderung der Zeithistoriker, die einen Wahlmodus wie bei der Historikerkommission vorgeschlagen haben. Der Ministerrat beschloss am Dienstag die Zusammensetzung der Gruppe wie vom Bildungsministerium vorgesehen. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 20. 3. 2002)

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    foto: standard/cremer
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