Grenzenloser Preiskampf

19. März 2002, 18:37
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Billigfluglinien setzten traditionellen Airlines zu - Große Carrier hoffen mit Preisaktionen neue Kundschaft zu gewinnen

"Wenn Irland gegen Deutschland im Juni bei der Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt, verschenken wir am nächsten Tag alle Flugtickets von Frankfurt/Hahn", protzt der irische Ryanair-Chef Michael O'Leary. Und falls die Deutschen gewinnen? "Dann soll Lufthansa-Chef Jürgen Weber am nächsten Tag Freitickets verschenken", provoziert der Ryanair-Boss seinen Intimfeind Weber.

Diese Art der Auseinandersetzung prägt die ehemals elitäre Luftfahrtbranche, seit die Billigairlines die Großen wie Lufthansa, British Airways oder Air France mit Dumpingpreisen das Fürchten lehren. Neue Billigairlines wie der irische Marktführer Ryanair, die britischen Billiglinien Easyjet und Go oder die KLM-Tochter Buzz bringen die Preise ins Wanken. Die Angreifer locken die Kunden mit Schnäppchentarifen, von denen Passagiere bisher nur träumen konnten. Sind die Flieger schlecht gebucht oder wollen die Billigcarrier zusätzliche Kunden ködern, bieten sie ihre Sitze mitunter sogar zum Nulltarif an: Wer mitwill, muss nur die anfallenden Flughafen- und Passagiergebühren bezahlen.

Unterschätzt

Lange Zeit unterschätzten die etablierten Airline-Bosse die neue Konkurrenz. Während Traditionscarrier nach den Anschlägen am 11. September Jets stilllegten oder Personal abbauen mussten, wachsen die Niedrigpreisanbieter nahezu ungebremst - und fliegen noch dazu, bis auf wenige Ausnahmen, hohe Gewinne ein. Seit 1997 stieg die Zahl der Diskontpassagiere europaweit von acht auf 22 Millionen. Tendenz steigend.

Ryanair drängt auf österreichischen Markt

Nach den Britischen Inseln hat bisher vor allem Ryanair Deutschland entdeckt und in Hahn, rund 120 km außerhalb Frankfurts, ihren Stützpunkt eröffnet. In Österreich fliegt Ryanair derzeit täglich von Salzburg nach London Stansted, ein One-Way-Ticket kostet im Schnitt 60 EURO, das gibt es aber auch um 13 EURO. Am 4. April geht es dann von Graz und ab 27. Juni von Klagenfurt zur Homebase von Ryanair, die momentan die einzige Billiglinie ist, die Österreich anfliegt. Graz-London kann man bereits um 11,50 EURO im Internet buchen. Im Vergleich dazu kostet das billigste Wochenendticket bei der AUA 289 EURO. Klagenfurt ist bei Ryanair um 29 EURO zu bekommen.

AUA: Click & Fly

Die AUA, die als traditioneller Netzwerk-Carrier keine eigene Billigfluglinie gründen will, hat mit Click & Fly bereits Marketingmaßnahmen gesetzt, um zusätzliche Passagiere für die billigen Plätze zu gewinnen. Nach Brüssel oder Amsterdam werden aktuell 99 Flüge für 99 Euro pro Person nach Prag angeboten.

Lufthansa: Sondertarifprogramm

Auch die Lufthansa bietet mit buy & fly, dem Sondertarifprogramm für Schnellentschlossene derzeit zwölf Destinationen ab Österreich an: Angeflogen werden so die Städte Barcelona, Birmingham, Nizza, Lyon und Venedig ab 239 Euro. Nach Edinburgh und Istanbul geht es ab 279 EURO sowie Mailand und Oporto ab 289 EURO. Südamerika-Fans fliegen nach Sao Paulo ab 549 EURO, nach Buenos Aires ab 599 EURO und nach Santiago de Chile ab 649 EURO.

An einem österreichischen Billigcarrier, der ab Graz zu den süddeutschen Autozentren Stuttgart und München abheben soll, basteln auch der ehemalige Boss der Tyrolean, Fritz Feitl, sowie der steirische Unternehmer Norbert Ertler. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 20.3.2002)

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