Viren für Handys und Linux schon bald in freier Wildbahn

20. März 2002, 11:27
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Der WebStandard sprach mit den führenden Anti-Viren-Herstellern über die Zukunft der Computerschädlinge und den besten Virus aller Zeiten

In Halle 6 der diesjährigen CeBIT versammelten sich alle namhaften Anti-Viren-Spezialisten und gaben Interessierten Einblicke in die Virenzukunft. Der WebStandard nutzte die Gelegenheit und konnte mit einigen Herstellern Interviews führen. Hier nun eine Zusammenfassung dieser Gespräche mit einigen interessanten Aspekten künftiger Handy-Viren und kommenden Linux-Schädlingen.

Linux-Schädlinge sind schon da

Nach dem Schädlings-Rekordjahr 2001, erwarten viele Experten einen erneuten Boom von Viren, Würmer und Trojanern auch in diesem Jahr. Zwar waren sich die Vertreter von Kaspersky Lab, Trend Micro, Symantec und Sophos einig, dass Firmen in letzter Zeit viel für ihre Sicherheit getan haben, aber noch immer viele User die Gefahr durch Computer-Schädlinge unterschätzen. Für die nächste Zukunft prophezeiten alle Anbieter von Anti-Viren-Software einen Anstieg der Schädlinge für Linux. Schon jetzt seien einige Linux-Viren im Internet fix und fertig zu finden, so die einhellige Meinung, doch noch hat niemand den Code mit gefährlichen Anhängen bestückt und verschickt.

Freude auf die Smartphones

Neben der Telekom-Branche und den Konsumenten freuen sich auch die Anti-Viren-Hersteller auf die kommende Mobilfunkgeneration. Auch Handy-Schädlinge wurden bereits als "Proof-of-concept" im Internet gesichtet. Laut Meinung von Denis Zenkin, Mediensprecher von Kaspersky Lab, werden mobile Geräte schon bald im Zentrum der Angriffe stehen. Viele Anbieter investieren Unsummen in Entwicklung und Werbung, doch der Sicherheitsaspekt scheint weitgehend vergessen worden zu sein. Die Verbreitung eines Produkts oder eines Betriebssystems spielt eine entscheidende Rolle bei künftigen Attacken von Schädlingen. Je populärer desto höher ist die Attraktivität für Virenschreiber einen Schädling dafür zu programmieren.

Von 3 Minuten bis zu 30 Tagen

Vom Zeitpunkt der Entdeckung eines Computer-Schädlings bis zu der Entwicklung eines Gegenmittels dauert es je nach Komplexität des Codes und den Programmierkünsten des Virenschreibers zwischen 3 Minuten und 30 Tagen, so die Experten. Viele Schädlinge stellen keine allzu großen Anforderungen an die Anti-Viren-Spezialisten. Die im Internet verbreiteten fertigen Codes, die vor allem Jugendliche zum Virenschreiben animieren, sind längst keine wirkliche Gefahr mehr. Auch Derivate bekannter Schädlinge wie etwa "Anna Kournikova" sind laut Zenkin keine Bedrohung, da sie von der Anti-Viren-Software rechtzeitig erkannt werden.

"Der schönste Schädling der Welt"

In den Interviews kristallisierte sich heraus, dass alle Hersteller einen "Favoriten" als den "besten Schädling der Welt" bezeichneten. Die Wahl viel nahezu einstimmig auf "Magistr.A". Wie Denis Zenkin von Kaspersky meinte: "Als wir den Viren-Code zum ersten Mal sahen, da wurde uns bewusst was für ein wunderschöner Virus Magistr war. Ein Programmierer unserer Firma hat damals gesagt, dass er noch nie so eine herrliche Arbeit gesehen hätte. Glücklicherweise ist nur knapp ein Prozent aller Computer-Schädlinge wirklich gut programmiert und von Leuten gemacht worden, die über weitreichende Kenntnisse verfügen".(gregor kucera)

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