Bologna: Regierungs- Berater ermordet

19. März 2002, 22:41
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Wirtschaftsexperte Marco Biagi von bislang Unbekannten auf offener Straße erschossen

Bologna - Der italienische Wirtschaftsexperte Marco Biagi ist Dienstagabend in Bologna erschossen worden. Dies berichtete das italienische Staatsfernsehen RAI. Nach ersten Angaben der Polizei eröffneten zwei Unbekannte das Feuer auf Biagi, einen Berater von Arbeitsminister Roberto Maroni, als er mit seinem Fahrrad nach Hause fuhr. Biagi hatte einen Teil des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi verfasst. Die Behörden vermuten einen politischen Hintergrund hinter dem Attentat.

Nicht auszuschließen ist eine Verbindung zwischen dem Anschlag und den heftigen Protesten gegen die von der Regierung Berlusconi geplante Aufweichung des Kündigungsschutzes. Für Samstag ist eine Großdemonstration der Gewerkschaften gegen die umstrittene Reform der Mitte-Rechts-Regierung geplant.

Der im Jahr 1950 in Bologna geborene Biagi war Arbeitsrechtsprofessor an der Universität Modena und hat vor kurzem gemeinsam mit einem ehemaligen italienischen Arbeitsminister ein Buch über Arbeitspolitik verfasst.

Staatschef Ciampi geschockt

Der italienische Staatschef Carlo Azeglio Ciampi ist nach eigenen Worten geschockt über den Mord an dem Wirtschaftsexperten Marco Biagi. In einem Telefonat mit Arbeitsminister Roberto Maroni zeigte sich Ciampi erschüttert über den Anschlag auf Biagi. Dieser war unter anderem Berater des italienischen Unternehmerverbands Confindustria und ein Freund von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. Innenminister Claudio Scajola, der sich in Washington aufhielt, brach seinen USA-Besuch ab und kehrt nach Rom zurück.

Zwei Unbekannte schossen um 20.30 Uhr auf Biagi, als dieser nach Hause kam. Die beiden Attentäter näherten sich mit einem Motorrad der Wohnung Biagis im Zentrum von Bologna. Der Oberstaatsanwalt von Bologna, Luigi Persico, sagte lakonisch: "Es ist ein Signal." Die Innenstadt wurde nach dem Anschlag für den Verkehr gesperrt.

Der Anschlag auf Biagi erinnert an den Mord an dem Arbeitsrechtsexperten Massimo D'Antona, der im Mai 1999 vor seiner Wohnung in Rom von einem Terroristenkommando erschossen worden war. Zu dem Mord an D'Antona, Berater des damaligen Arbeitsministers Antonio Bassolino, bekannten sich die damals neu gegründeten Roten Brigaden. Die Witwe D'Antonas, Olga, erklärte sich am Dienstag über Biagis Tod entsetzt. (APA)

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