Historische und literarische Tatsachen

19. März 2002, 15:04
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Slowenische Literaturgeschichte: "Von den Anfängen bis zur Gegenwart"

Laibach - "Geschichte der slowenischen Literatur. Von den Anfängen bis zu Gegenwart" lautet der Titel eines umfangreichen, mehr als 600 Seiten umfassenden Buches, das vor kurzem in Klagenfurter slowenischen Verlag Mohorjeva-Hermagoras erschienen ist. Die letzte slowenische Literaturgeschíchte in deutscher Sprache erschien 1958 in Berlin.

Die Autorin, die einst in Belgrad, in jüngster Zeit in Triest wirkende Professorin Marija Mitrovic, schrieb das Werk im Jahr 1995 für das serbische Publikum. Ihre Kollegin, die aus Kärnten stammende Wiener Slawistin Prof. Katja Sturm Schnabl, übersetzte das Buch ins Deutsche und ergänzte es "für ein ganz anderes Publikum", wie sie sagte. Für ein Publikum mit ganz verschiedenem geschichtlichen Hintergrund und mit vielen Berührungspunkten mit der slowenischen Geschichte und Kultur. Eine ganze Reihe historischer und literarischer Tatsachen, die für die Darstellung slowenisch-deutscher Interferenzen wichtig sind, mussten hinzugefügt werden. Prof. France Bernik, Präsident der Akademie der Wissenschaften, der bei der Präsentation eine Begrüssungsrede hielt, nannte das Buch "eine Spitzenleistung der Slowenistik". Für Wissenschaftler und Pädagogen, die sich mit slawischer Philologie und Literatur befassen und für die die deutsche Sprache "lingua franca" ist, werde es unentbehrlich sein.

Frühzeit und Mittelalter

Das Werk "zweier Slawistinnen", wie es in dieser Form genannt wurde, umfasst díe Frühzeit und Mittelalter, die mündlich überlieferte Sprachkunst, die slowenische Literatur in der Reformations-, Barock- und Aufklärungszeit, beschreibt ausführlich die Romantik, in der mit dem Dichter France Preseren der erste - bisher unerreichte - Qualitätsgipfel erklommen wurde, und endet nach Darstellungen des slowenischen literarischen Schaffens des Realismus und der Moderne mit den wichtigsten Autoren der zeitgenössischen Literatur. Wichtige Persönlichkeiten aller Zeitabschnitte werden in gesonderten Kapiteln behandelt. Als letzter scheint der in der ganzen Welt meistübersetzte slowenische Dichter Tomaz Salamun, der sogar als ein möglicher Nobelpreisträger in Frage kommen soll, auf.

Bei der Präsentation des Buches sprach auch der Salzburger Slawist Prof.Otto Kronsteiner, der die Bedeutung der Zweisprachigkeit hervorhob. Viele bedeutende Literaturschaffende der Völker, die in der einstigen Habsburgermonarchie lebten, hätten auch in deutscher Sprache gedichtet, meinte er. Man müsste eine neue österreichische Literaturgeschichte verfassen, in der auch diese Werke berücksichtigt werden.

Das heute vorgestellte Übersetzungsprojekt wurde zum Gutteil von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms "Culture 2000" finanziert. Die Laibacher Außenstelle des österreichischen Ost- und Südostinstituts und die Kulturabteilung der österreichischen Botschaft organisierte die Veranstaltung. (APA)

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