Bestandsaufnahme der NS-Presse in Österreich vor 1933

21. März 2002, 15:31
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... ein bislang "nahezu unerforschtes" Gebiet

Wien - Eine Bestandsaufnahme der nationalsozialistischen Presselandschaft in Österreich vor 1933 ist nun erstmals vorgelegt worden. "Die österreichische NS-Presse 1918-1933" versteht sich als "Grundlagenarbeit auf dem Gebiet der kommunikationshistorischen und zeitgeschichtlichen Presseforschung", wie Mitautor Bernd Beutl schreibt. Denn die österreichische NS-Presselandschaft der Ersten Republik sei nach wie vor "nahezu unerforscht". Das vom Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Duchkowitsch herausgegebene Buch wurde am Dienstagabend in Wien präsentiert.

Eigentlich ein zweifaches Forschungsdefizit, haben Beutl und seine Mitautoren Claudia Hefner, Wolfgang Monschein und Fritz Randl konstatiert. Dem Nationalsozialismus und der NSDAP in Österreich vor 1933 werde in der heimischen zeitgeschichtlichen Forschung nur ein bescheidener Rahmen eingeräumt, und die Medienentwicklung dieser Zeit werde erst recht nicht berücksichtigt.

Die alte Opfer-These

Dabei sei eine grundsätzliche Beschäftigung mit den Strukturen und Propagandainstrumenten des Nationalsozialismus in der Ersten Republik notwendig, so der Standpunkt der Wissenschaftler: Denn gerade mit der These von Österreich als "erstem Opfer" Hitlerdeutschlands, die lange Selbstverständnis und Geschichtsbild hier zu Lande geprägt habe, werde suggeriert, dass "das NS-System erst mit dem 'Anschluss' importiert worden" sei. "Die historischen Tatsachen stellen sich jedoch diametral anders dar", schreibt Beutl.

Keinesfalls wolle man den Anspruch einer allumfassenden Geschichte der NS-Presse Österreichs vor 1933 "mit all ihren Facetten - insbesondere ihre inhaltlichen Dimensionen - erforscht und aufgearbeitet zu haben", erheben, wird allerdings betont. Dies "wäre schlicht und einfach anmaßend und würde wohl noch mehrere Jahre dauern". Immerhin aber gebe es mit "Die österreichische NS-Presse 1918-1933" erstmals in der österreichischen Zeitgeschichteforschung eine systematische Datensammlung und Datenerhebung der NS-Periodika.

Das Buch ist daher in drei Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil wird die Entwicklung und Geschichte der österreichischen Nationalsozialisten in der Ersten Republik analysiert, der zweite Abschnitt rekonstruiert die Stationen und Phasen der NS-Presse. Ein nach Titeln alphabetisch geordneter Katalog der insgesamt 93 Periodika soll schließlich als Nachschlagewerk dienen. (APA)

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