Marcel Prawy als "Anzünder"

19. März 2002, 14:29
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Ausstellung "Glück das mir verblieb" zum 90. Geburtstag des "Opernführers der Nation"

Wien - "Glück das mir verblieb" ist der Titel der Ausstellung, mit der das Theatermuseum zum 90. Geburtstag von Marcel Prawy, den "Opernführer der Nation" würdigt (20. März bis 2. Juni 2002). "Glück das mir verblieb" bezieht sich auf Prawys Lieblingsmelodie aus der Oper "Die tote Stadt" von Erich Wolfgang Korngold, von der "Marcello" bekannt hatte, dass es wohl keinen Tag seines Lebens gab, an dem er sie nicht gesungen hätte.

Die Kuratoren der Schau, Christoph Wagner-Trenkwitz und Thomas Trabisch, konnten dabei auf Prawys legendäres Plastiksackerl-Archiv zurückgreifen. Das bot den Ausstellungsgestaltern auch die Möglichkeit, die Dokumente zu Lebensstationen (Fotografien, Textbücher, Zeitungsausschnitte, Theaterzettel, Partituren mit handschriftlichen Eintragungen, Erinnerungsstücke, Auszeichnungen und Ehrungen) nicht ordentlich nebeneinander in Vitrinen auszubreiten, sondern sie anscheinend kunterbunt so zu arrangieren, als hätte man den Inhalt eines Plastiksäckchens gerade auf den Tisch gestülpt. Man darf nun mit Staunen verfolgen und entdecken, was alles da herausquillt.

Marcell Horace Frydmann, Ritter von Prawy kam am 29. Dezember 1911 in Wien zur Welt. Die Eltern waren waren begeisterte Opernfans, Vater Richard Frydmann, Ministerialrat im Verwaltungsgerichtshof, war auch als Komponist und Schriftsteller vervorgetreten. Das Adelsprädikat verdankt die Familie Großvater Marcell Frydmann, Chefredakteur des "Fremdenblattes" (dem Leibblatt des Kaisers), der 1900 zum Ritter geschlagen wurde und das Prädikat erhielt, sich "von Prawy" zu nennen (auch in der Ausstellung zu sehen).

Über die ersten Stehplatzbesuche in der Staatsoper führt die Schau zu Begegnungen mit Persönlichkeiten und Idolen wie Richard Strauss, Leo Slezak, Lotte Lehmann und Maria Jeritza zu Jan Kiepura und seiner Frau Marta Eggerth, deren Privatsekretär der frisch gebackene Doktor der Rechte 1936 wurde. Der Verzicht auf eine Juristen-Laufbahn zu Gunsten der Möglichkeit, die Luft hinter der Bühne zu schnuppern, dürfte ihn auch das Leben gerettet haben. Prawy emigrierte 1939 gemeinsam mit Kiepura in die USA. 1940 konnte er seinen Vater nachholen, seine Schwester überlebte den Krieg als "U-Boot" in Wien.

Seine Großmutter, Ida Mankiewicz wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ein Antrag auf Rückstellung ihres von den Nazis beschlagnahmten Vermögens wurde 1947 abgelehnt, mit der Begründung, es befänden sich keine Vermögenswerte mehr im Inland. Sollte sich die Gesetzeslage jedoch ändern, sei es dem Antragsteller ja unbenommen, sich nochmals um Rückstellung zu bemühen, kann man den auch in der Schau befindlichen Ablehnungsbescheid entnehmen, der im Kapitel über das Kosmos Theater zu entdecken ist, wo Prawy Shows mit amerikanischer Musik produzierte und präsentierte.

Dem Einzug des Musicals in Wien, den Prawy mit seinen Musicshows und mit seinen Musical-Übersetzungen den Weg bereitet hatte, ist ein anderes Kapitel aus dem Plastiksackerl gewidmet, ebenso den von ihm ins Leben gerufenen Matineen an der Staats- und Volksoper und natürlich seiner Tätigkeit als "Opernführer" im Fernsehen. In einem eigenen Videoraum wird eine Collage aus den wichtigsten TV-Produktionen, aber auch Produktionen aus dem "Opernführer", sowie aus der Serie "Auf den Spuren von..." sowie Sängerporträts und Dokumentationen gezeigt. (APA)

"Glück, das mir verblieb", Ausstellung im Österreichischen Theatermuseum, 1., Lobkowitzplatz 2, 20. März bis 2. Juni, Di-So, 10 - 17 Uhr, Mittwoch 10 - 20 Uhr geöffnet. Normaleintritt 4 Euro. Katalogbuch zur Ausstellung 29 Euro. www.theatermuseum.at

Marcel Prawy selbst erzählt im Eroica-Saal des Theatermuseums am 27.3., 3.4, 10.4. und 24.4 (jeweils um 18 Uhr) aus seinem Leben, erinnert sich an Leonard Bernstein und Herbert von Karajan und referiert über "Oper: Gestern, heute - und morgen?" Der ORF begleitet die Ausstellung mit zwei neuen Sendungen: "Auf den Spuren des Tannhäuser" am Ostermontag (17.30, ORF 2) und "Jan Kiepura und Marta Eggerth zum Geburtstag" am Pfingstmontag, 20. Mai (17.30 Uhr).

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