Greenpeace: Zahl der "Patente auf Leben" steigt rasant

19. März 2002, 13:41
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2001 gab es beim Europäischen Patentamt 8.466 Anträge für Patente auf Gene von Mensch und Tier

Wien - Gegen die Patentierung von menschlichen Genen haben sich in Deutschland die Bundesärztekammer, die Entwicklungsorganisation Misereor sowie die Umweltschutzorganisation Greenpeace gemeinsam ausgesprochen. Die Organisationen appellierten am Dienstag in Berlin an den Bundestag, die geplante Umsetzung der EU-Bio-Patentrichtlinie zu verhindern. Das EU-Gesetz erlaube die Patentierung von Teilen des menschlichen Körpers, von Genen sowie Pflanzen und Tieren.

Nach Ansicht der Organisationen ist die Patentierung von Lebewesen ethisch nicht zu verantworten, wirtschaftlich schädlich und vergrößere die Kluft zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Sie forderten eine Neuverhandlung der EU-Richtlinie. Deutschland solle sich wie die Parlamente in Luxemburg und Frankreich verhalten, die sich kürzlich gegen die Patentierung menschlicher Gene ausgesprochen hatten und die Richtlinie nicht umsetzen wollen.

Christoph Then von Greenpeace wies darauf hin, dass die Zunahme von Gen-Patenten inzwischen zu erheblichen Nachteilen für Ärzte, Patienten und Forscher führe. So hätten viele Labors diagnostische Tests gestoppt, weil Firmen die Rechte an den benötigten Genen besäßen und überhöhte Lizenzgebühren verlangten.

In Österreich hat erst vor wenigen Tagen die beim Bundeskanzleramt angesiedelte Bioethik-Kommission eine Umsetzung der EU-Bio-Patentrichtlinie in österreichisches Recht empfohlen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf liegt seit dem Jahr 2000 auf Eis und soll nun im Wirtschaftsausschuss des Parlaments erneut behandelt werden.(APA)

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