Premiere-Schicksal entscheidet sich in den USA

19. März 2002, 13:26
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"Kirch hat viel zu teuer eingekauft"

Das Schicksal des zur hoch verschuldeten Kirch-Gruppe gehörenden PayTV-Senders Premiere entscheidet sich wahrscheinlich in den USA.

Dort verhandeln nach Angaben aus Unternehmenskreisen der stellvertretende KirchMedia-Geschäftsführer Fred Kogel und Wolfgang Hahn, Repräsentant der amerikanischen Kirch-Tochter International Television Trading Corp. (ITTC), mit den großen US-Filmstudios über die Möglichkeit von Preissenkungen für eingekauftes Programm. Wenn die Kirch-Manager die US-Filmstudios nicht dazu bringen könnten, erhebliche Preisnachlässe zu gewähren, sei Premiere wohl nicht zu retten, heißt es in den Kreisen. "Die Verhandlungen laufen aber nicht schlecht", lautet eine erste Einschätzung.

Rigoroser Sparkurs

Premiere erwirtschaftet nach Analystenschätzungen täglich Verluste von zwei Millionen Euro und gilt als das Hauptproblem der Kirch-Gruppe. Der neue Premiere-Chef Georg Kofler hat einen rigorosen Sparkurs angekündigt und will den Sender in knapp zwei Jahren in die schwarzen Zahlen führen. Bis dahin benötigt Kofler nach Angaben aus Unternehmenskreisen aber eine Finanzspritze im "hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich". Um mögliche Geldgeber davon zu überzeugen, dass Premiere noch eine Zukunft hat, muss Kofler nach Einschätzung von Branchenkennern erst Erfolge bei der Kostensenkung vorweisen.

Output-Deals

KirchMedia - in der die Produktion, der Rechtehandel und die Privatsender ProSieben, Sat.1, Kabel 1, N24 und DSF zusammengefasst sind - hat mit allen großen US-Studios wie Warner Bros., Paramount, Universal Pictures, Columbia, Disney und Fox so genannte Output-Deals über Filmrechte für das deutsche Fernsehen geschlossen. Mit Paramount und Universal befindet sich Kirch nebenbei in einem Rechtsstreit über die Verträge, was Verhandlungen über Preisnachlässe wenig förderlich sein dürfte.

Keine schlechten Chancen

Kirch-Vertreter rechnen sich gar keine so schlechten Chancen aus, dass die US-Studios einlenken. Alternative für die Filmproduzenten sei schließlich, dass Premiere dichtmache und eine Verwertungsstufe für ihre Filme ganz wegfalle. Zudem gebe es die Überlegung, den Studios für einen Forderungsverzicht Gesellschafter-Anteile an Premiere anzubieten. "Die Studios hätten dann die Wahl zwischen etwas weniger Umsatz und einer werthaltigen Beteiligung oder gar keinem Umsatz mehr", heißt es in der Kirch-Gruppe. (APA/Reuters)

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