Kein Jubel bei der katholischen Frauenbewegung

20. März 2002, 13:24
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Ingrid Klein: "Hohe Frauenquote bei Pfarrgemeinderatswahlen ist noch kein Garant für Gleichberechtigung"

Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) jubelt vorerst nicht über den Sieg der Frauen bei den Pfarrgemeideratswahlen. "Der 52 prozentige Frauenanteil unter den gewählten PfarrgemeinderätInnen ist leider noch keine Garantie für Gleichberechtigung in der Pfarrleitung" betont Ingrid Klein, PGR-Expertin und langjährige, ehemalige Vorsitzende der kfbö. "Erst nach der Arbeitsverteilung wird sich zeigen, wie ernst man es in den Pfarrgemeinden mit einem gleichberechtigten und partnerschaftlichen Miteinander von Männern und Frauen nimmt." Die kfbö ermutigt deshalb die gewählten Pfarrgemeinderätinnen Kompetenzen einzufordern, einseitige Arbeitsverteilung und Festlegung auf traditionelle Frauenbereiche wie Kinder, Familie und Altenbetreuung abzulehnen.

Erste Geige im vielstimmigen Gremium spielen

Ingrid Klein, die selbst stellvertretende Vorsitzende im Pfarrgemeinderat von Mödling bei Wien ist, fordert die gewählten Frauen auf, die Stimme zu allen Fragen des pfarrlichen Lebens zu erheben. "Sie müssen ihrer Stimme im Pfarrgemeinderat nicht nur Gehör verschaffen, sondern auch Gewicht, z.B. durch gute Argumente, klare Standpunkte, kompetentes Handeln." Wenn diese Pfarrgemeinderatswahlen unter dem Leitwort "Vielstimmig" standen, so sollten die Frauen nun durchaus versuchen, auch "einmal die erste Geige zu spielen" und nicht vor Verantwortung und Leitungsaufgaben zurückschrecken.

PGR als Entscheidungsgremium

Zur Zeit ortet Klein in vielen Pfarren eine Arbeitsüberlastung der Frauen. "Sie machen die tägliche, unsichtbare Kleinarbeit, sind überlastete Zu-Arbeiterinnen." Die kfbö-Vertreterin fordert aber nicht nur für Frauen mehr Kompetenz im PGR. Sie tritt für einen prinzipiellen Umbau des Pfarrgemeinderates von einem Beratungs- zu einem Entscheidungsgremium ein. "Denn der Pfarrer ist zwar kirchenrechtlich letztverantwortlich für die Vorgänge in einer Pfarre, aber nicht allein verantwortlich", meint Ingrid Klein.

Das Jahr der Berufung

Die Katholische Frauenbewegung Österreichs hatte im Vorfeld der PGR-Wahl mit einer Postkartenaktion "mutige Pfarrgemeinderätinnen" gesucht. Diese Aktion sollte im "Jahr der Berufung" das Bewusstsein über die Berufung von Laien, insbesondere von Frauen zur Mitarbeit in der Kirche schärfen und die Bedeutung von deren Mitverantwortung für das Pfarrleben hervorheben. Denn "Berufung braucht Verantwortung", betont die kfbö auf der Karte. (red)

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