Premiere schließt Sicherheitslücke in der Programmverschlüsselung

19. März 2002, 12:51
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"Größte Angriffsfläche für Hacker versiegelt" - Drohung mit strafrechtlicher Verfolgung

Premiere hat eine Sicherheitslücke in seiner verschlüsselten Programmausstrahlung geschlossen: Der Sender hat am gestrigen Montag um 12.00 Uhr die Ausstrahlung seines Gesamtprogramms über einen einzigen Verschlüsselungscode beendet. "Damit haben wir die größte Angriffsfläche für Hacker versiegelt", sagt Dr. Helmut Stein, Technischer Geschäftsführer bei Premiere.

Monitoring

Bislang hatte der Sender sein komplettes Programmangebot inklusive aller Pay-per-View-Dienste auch als Monitoring-Angebot mit einer einzigen Verschlüsselung ausgestrahlt. Das heißt, mit nur ei-em entsprechenden Schlüssel konnten alle Kanäle freigeschaltet und gesehen werden. Damit sollte zum einen Betreibern von Kabelnetzen die Signalüberwachung am Übergabepunkt erleichtert werden. Zum anderen bot die Monitoring-Funktion Premiere Händlern die Möglichkeit, ohne gesonderte Be-stellung zu Demonstrationszwecken auf die Near-Video-on-Demand-Angebote zuzugreifen. "Analysen haben gezeigt, dass die Mehrheit aller manipulierten SmartCards mit genau dem Monitoring-Schlüssel beschrieben sind", so Stein weiter. Die ersatzlose Abschaffung der Monitoring-Funktion sei die logische Folge.

Kartentausch

Gleichzeitig kündigt Stein einen weiteren Schritt in der technischen Bekämpfung der Digitalpiraterie an: "Noch in diesem Jahr werden wir ein neues Verschlüsselungssystem einsetzen." Das neue System betacrypt 2 basiert auf der offenen DVB-Technologie mit neu entwickelter Multisek-toren-SmartCard, die neben einer sicheren Grundverschlüsselung das separate Verschlüsseln einzelner Programme oder TV-Dienste ermöglicht. Die betacrypt 2-Software wird von Premiere im August via Satellit und Kabel auf die bestehende Boxenpopulation aufgespielt. Parallel dazu werden die Smart-Cards der ersten Generation abgeschaltet und durch die neuen Multisektoren-Karten ersetzt. Der vollständige Wechsel des Sicherheitssystems, der einen Kartentausch bei allen knapp 2,5 Millionen Premiere Abonnenten umfasst, soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Strafverfolgung

Neben den technischen Maßnahmen nutzt Premiere nach eigene Angaben "alle juristischen Möglichkeiten", um gegen Piraterie vorzugehen. Vielfach erstattet der Sender Anzeige und unterstützt Polizei und Staatsanwaltschaften bei den Ermittlungen. (red)

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