Dozenten wollen nicht "Wasserträger" werden

19. März 2002, 17:17
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Unireform: Kritik und Ministeriums-Dementi

Wien - An der Uni Linz hat sich eine Gruppe von außerordentlichen Professoren gegen die geplante Universitätsreform gebildet, die Autonomie vorsieht und derzeit als Gesetzesentwurf vorliegt.

Dozenten würden damit zu "bedeutungslosen Wasserträgern" degradiert, fasst Soziologe Ingo Mörth das Dilemma aus seiner Sicht zusammen. Wer zwar habilitiert, aber noch nicht "ordentlicher Professor" sei, hätte künftig weder ein Mitbestimmungsrecht an der Uni noch könnte er/sie Leitungsaufgaben wahrnehmen (es besteht die Möglichkeit, zum Rektor, nicht aber zum Institutsvorstand gewählt zu werden). Darüber hinaus würde diese Gruppe das Recht verlieren, selbstständig zu forschen sowie Diplomprüfungen abzunehmen und Dissertationen zu betreuen.

Letzteres sei "unzutreffend und wäre auch unsinnig", sagt dazu Sektionschef Sigurd Höllinger zum STANDARD. Die Kritiker hätten sich die Materie nicht genau angeschaut. Denn die derzeitigen Dozenten seien Beamte, für die sich dienstrechtlich gar nichts ändere. Das heißt, "sie sind natürlich auch weiterhin wichtige Träger von Lehre und Forschung".

Geänderte Bedingungen herrschen nur für jene, die im neuen Dienstrecht - und später als Angestellte - eintreten. Dozenten im klassischen Sinn soll es nicht mehr geben, sondern wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren (auf Zeit oder unbefristet). Die Habilitation werde nicht mehr das entscheidende Kriterium sein. Damit soll - so Höllinger - bereits in jüngeren Jahren die Chance bestehen, Professor zu werden, die Zahl der Profs soll insgesamt steigen.

Noch Änderungen könnte es aber bei den neu gestalteten Hierarchien geben (die wie die Reform der Mitbestimmung tatsächlich auch jetzige Dozenten treffen): Im Bildungsressort werde darüber "nachgedacht", ob Dozenten nicht doch weiterhin Institutsvorstände sein dürfen. Höllinger: "Ich persönlich bin dafür." (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 20.3.2002)

Martina Salomon
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