Diskussion um umstrittenes Projekt Wien-Mitte

19. März 2002, 12:02
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Architektur in Wien: Schicker für Umsetzung von Siegerprojekten

Wien - Das - mitunter für Kontroversen sorgende - Thema Architektur in Wien stand am Montagabend im Mittelpunkt zweier Veranstaltungen: Bei der Präsentation von "architext", einer der Architektur gewidmeten Schwerpunkt-Ausgabe der Literaturzeitschrift "Wespennest", sprach sich der Wiener Planungsstadtrat Rudolf Schicker (S) dafür aus, Siegerprojekte von Architekturwettbewerben auch umzusetzen. Das sei Aufgabe der öffentlichen Hand, so Schicker. Und auch im Wiener "Haus der Musik" wurde diskutiert.

"Volle Unterstützung" sicherte Schicker bei der "architext"-Präsentation für das umstrittene Hochhaus-Projekt "Wien-Mitte" zu, so wie es heute, Dienstag, präsentiert werde - mehr wollte Schicker dazu noch nicht verraten.

"Herunterbauen, dass nix mehr überbleibt"

In dieser Stadt passiere dreierlei Dinge mit Siegerprojekten von Architektenwettbewerben, so seine Kritik: sie würden nicht gebaut, man müsse erst vor Gericht gehen oder man würde "herunterbauen, dass nix mehr überbleibt", sagte Schicker. Er verstehe die Rolle der öffentlichen Hand so, dass man sicherstelle, dass das Ergebnis eines Wettbewerbes auch umgesetzt werde.

Frauenquote

Im Sinne des Gender Mainstreaming sprach sich Schicker für eine Frauenquote bei Architektur-Wettbewerben aus. Entsprechend dem Wiener Regierungsprogramm wolle er Weltoffenheit, Solidarität und die Möglichkeit der Europäisierung Österreichs auch über moderne, spannende und kontroversielle Architektur transportieren und fördern. Es seien einige Fehler in der Vergangenheit passiert, manches davon betreffe eine ganz andere Generation. Daher auch sein Wunsch nach mehr "Demokratisierung und Verbreiterung der Architekturdiskussion".

Architektin Elsa Prochazka nahm an der Stelle des terminlich verhinderten Architekten Hans Hollein an der Diskussion teil. Sie kritisierte, dass ein immer größerer Aufwand betrieben werde, immer mehr Menschen bei einem Projekt involviert seien und was dabei herauskommen immer banaler werde.

"Moderne Architektur?"

Bei einem vom "Standard" und Radio Wien veranstalteten "Montagsgespräch" im Haus der Musik, stand die Frage "Ist moderne Architektur in Wien möglich?" im Mittelpunkt. Der Wiener Planungsdirektor Arnold Klotz bejahte. "In den vergangenen zehn Jahren hat sich in Wien unglaublich viel getan." Hochwertige Architektur sei entstanden. Und auch das Projekt Wien-Mitte werde einen "Impuls" bringen - etwa für den Bereich um den derzeit wenig einladenden Bahnhof.

Diese Ansicht teilte Heinz-Christian Strache, seines Zeichens stellvertretender FP-Klubobmann im Rathaus, nicht wirklich. Zwar zeigte sich auch er überzeugt, dass moderne Architektur in Wien möglich ist, man müsse jedoch Beeinträchtigungen der Anrainer verhindern. Und so stehe auch das Architektur-Argument in der Causa Wien-Mitte nicht im Vordergrund. Gravierender seien etwa die Probleme Verkehrsbelastung und Umweltbeeinträchtigung, betonte Strache. (APA/red)

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