US-Leitzinsen bleiben unverändert

19. März 2002, 22:39
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Fed schiebt Erhöhung auf und sieht "bedeutendes" Wachstumstempo

Washington - Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Dienstag wie erwartet die Leitzinsen auf dem niedrigsten Niveau seit 40 Jahren gelassen, aber zugleich die Finanzmärkte auf Zinserhöhungen ab Jahresmitte 2002 vorbereitet.

Die US-Währungshüter warnten in ihrer Erklärung erstmals seit 15 Monaten nicht mehr vor einer weiteren konjunkturellen Abkühlung und sprachen stattdessen von einem bedeutenden Wachstumstempo der weltgrößten Volkswirtschaft. Analysten werteten dies als Signal für ein Ende des Zinssenkungszyklus und als Vorbote für höhere Leitzinsen im Jahresverlauf. Einige Experten halten bereits ab Mai eine Anhebung des entscheidenden Zielsatzes für Tagesgeld von 1,75 Prozent für möglich, andere im Juni oder spätestens im August. Die Finanzmärkte reagierten am Dienstag kaum auf die Notenbank-Entscheidung.

Ausgewogene Inflationsrisiken

In ihrer Erklärung stellte die Fed fest, dass die Inflationsrisiken und die Gefahren einer weiteren Konjunkturabschwächung inzwischen ausgewogen seien. Sie betonte zudem, dass die Wirtschaft unterstützt vom Lageraufbau nach den "Informationen, die seit unserem letzten Treffen bekannt geworden sind" mit einem "bedeutenden Tempo" wachse. Die Fed warnte aber zugleich: "Der Grad der Nachfrageerholung als wichtige Voraussetzung für einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung wird in den nächsten Monaten weiter ungewiss bleiben."

Analysten sahen in der Erklärung der Fed der Übergang von einer bisher expansiven zur neutralen geldpolitischen Haltung. "Bei einer günstigen Konjunkturentwicklung könnte die Fed nun bereits im Juni eine restriktive Haltung einnehmen und im August oder September die Zinsen anheben", sagte Alan Ruskin vom Forschungsinstitut 4Cast.Ian Morris von HSBC Securities rechnet sogar schon früher mit mit einem Zinsschritt nach oben. "Die Erklärung lässt die Tür offen für ein Drehen an der Zinsschraube im Mai oder Juni."

Experten wenig überrascht

Bei den Fed-Funds-Futures ist nach Angaben von Marktteilnehmern bereits eine Anhebung des Tagesgeldzielsatzes (Fed-Funds-Rate) um 25 Basispunkte am 5. Mai zu über 75 Prozent eingepreist. Zu 100 Prozent eingepreist ist ein Tagesgeldzielsatz von 3,00 Prozent am Jahresende. Volkswirte äußern sich in ersten Stellungnahmen etwas vorsichtiger. Zwar sind auch sie der Meinung, dass die Fed bestrebt sein wird, den Leitzins auf ein neutrales Niveau von rund 3 Prozent anzuheben, doch sind sie weniger sicher, welches Tempo die Notenbank vorlegen wird. Die Fed sollte sich lieber nicht zu sehr mit ihren Zinsschritten beeilen, so etwa John Silvia, Chefvolkswirt bei Wachovia Securities.

Insgesamt zeigten sich die Experten aber wenig überrascht von dem Zinsbeschluss und den Äußerungen der Währungshüter, da Fed-Chef Alan Greenspan bereits am 7. März vor dem Bankenausschuss des Senats eine Änderung der geldpolitischen Haltung der Notenbank angedeutet. Damals sagte er: "Die jüngsten Daten lassen zunehmend darauf schließen, dass die wirtschaftliche Expansion bereits auf gutem Weg ist."

Märkte unbeeindruckt

Die Finanzmärkte zeigten am Dienstagabend keine nennenswerte Reaktion auf den Beschluss der Fed. Der Euro pendelte sich nach vorübergehenden leichten Einbußen wieder bei Kursen nahe 0,8830 Dollar ein. Die US-Aktienbörsen zeigten sich unbeeindruckt und bewegten sich kaum. Die US-Staatsanleihen fielen nach kurzfristigen leichten Kursgewinnen auf das Niveau vor der Fed-Entscheidung.

Der Dow Jones Index der 30 führenden Industrieaktien schloss mit 10.635,25 um 57,50 Punkte oder 0,54 Prozent fester. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit 1.170,29 um 4,74 Zähler oder 0,41 Prozent höher aus dem Handel. An der Technologiebörse Nasdaq stieg der Composite Index um 0,20 Prozent oder 3,81 Punkte auf 1.880,87 Zähler.

Die Fed ließ auch den eher symbolischen Diskontsatz unverändert bei 1,25 Prozent. Zur Unterstützung der seit März 2001 in einer Rezession steckenden US-Wirtschaft hatte die Fed die Leitzinsen 2001 in elf Schritten um insgesamt 475 Basispunkte heruntergeschraubt. (APA/Reuters/vwd/dpa)

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