Widersprüchliche Angaben zu toten Kaida-Kämpfern in Afghanistan

19. März 2002, 13:42
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Nur wenige Leichen gefunden - Alle westlichen Truppen aus Region Shah-i-Kot abgezogen

Bagram - Die US-Armee hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach sie überhöhte Angaben über die Zahl der in den Bergen im Osten Afghanistans getöteten Taliban- und El-Kaida-Kämpfer gemacht hat. Nach dem Ende ihrer Bodenoffensive im Shah-i-Kot-Tal haben sich alle kanadischen und US-Truppen aus der ostafghanischen Region zurückgezogen.

"Nur 50 bis 60" El Kaida-Kämpfer seien bei der Offensive getötet worden. "Die meisten entkamen", sagte Gulbuddin, ein Berater des afghanischen Verteidigungsministers Mohammad Fahim am Dienstag. Die US-Angaben zu den bei der Bergfestung Shah-i-Kot getöteten Kämpfern seien falsch. US-Generalmajor Frank Hagenbeck (richtig) widersprach dem: "Natürlich sind einige Leute aus Shah-i-Kot entkommen", sagte Hagenbeck auf dem US-Stützpunkt Bagram. Die Anzahl der Toten sei aber nicht überhöht angegeben worden.

"Wir haben hunderte der erfahrensten Kämpfer und Terroristen der El Kaida vernichtet", sagte Hagenbeck. Diese Einschätzung werde auch von Geheimdiensterkenntnissen und Befragungen gefangener Kämpfer gestützt.

Nur wenige Leichen gefunden

Nach Ansicht einiger afghanischer Kommandanten sind viele der 1000 Taliban- und El-Kaida-Kämpfer auf geheimen Wegen über die Berge in das Grenzgebiet zu Pakistan entkommen. Es seien nur wenige Leichen gefunden worden. Nach Einschätzung der US-Streitkräfte sind die Leichen bei den intensiven US-Bombardements, an denen auch B-52-Bomber beteiligt waren, vernichtet worden.

Hagenbeck nannte als Beispiel einen Vorfall am 2. März, dem ersten Tag der Militäroperation. Damals sei eine Lehmhütte mit 40 Kämpfern entdeckt worden. Nach Luftschlägen auf die Hütte hätten US-Soldaten die Stelle untersucht. "Alles, was wir sahen, waren einige Körperteile, die aus einem 15 Fuß (rund 4,5 Meter) hohen Lehmhaufen ragten", sagte Hagenbeck.

Kanadische Offiziere, die ebenfalls an den Gefechten beteiligt waren, bestätigten, dass es nur wenige direkte Begegnungen zwischen Taliban- und El-Kaida-Kämpfern und den Soldaten gegeben habe. Gleichwohl sei die 17-tägige Militäroperation ein voller Erfolg. Für die Bewertung eines Einsatzes sei nicht allein die Zahl der getöteten Feinde ausschlaggebend, sagte der kanadische Offizier Jean-Pierre Thiffault.

Kanadische und amerikanische Soldaten hatten gemeinsam mit afghanischen Truppen in den Bergen östlich von Gardes in der Provinz Paktia eine Bergfestung bestürmt und dabei Armeeangaben zufolge hunderte Gegner getötet. Das Gebiet liegt 150 Kilometer südlich der afghanischen Hauptstadt Kabul.

Aus Washington verlautete am Montag, US-Spezialeinheiten hätten am Sonntag einen Fahrzeugkonvoi südwestlich von Gardes angegriffen und dabei 16 Kämpfer getötet. Bei ihnen soll es sich um El-Kaida-Mitglieder handeln. Ein weiterer wurde verwundet, einer gefangen genommen. Wenig später hätten US-Truppen 31 mutmaßliche El-Kaida- oder Taliban-Kämpfer in einer Anlage westlich von Kandahar gefangen genommen.

Die US-Armee hatte die "Operation Anaconda" am Montag für beendet erklärt. Der Krieg gehe jedoch weiter. Das britische Verteidigungsministerium kündigte an, dass auf eine US-Anforderung hin weitere 1700 Soldaten nach Afghanistan verlegt würden.

Die Entsendung der britischen Soldaten sei unbefristet in dem Sinne, dass die verbliebenen El-Kaida- und Taliban-Kämpfer bekämpft werden müssten, sagte Verteidigungsminister Geoff Hoon am Dienstag im BBC-Rundfunk. Es gebe jedoch zeitliche Grenzen für den Einsatz der Soldaten, sagte Hoon ohne diese näher zu erläutern. (APA/Reuters/AP)

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