Voestalpine: US-Stahlzölle mehr "Ärgernis" als Schaden

19. März 2002, 11:36
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Weniger als ein Prozent der Linzer Stahlproduktion betroffen

Washington/New York - Die von den USA verhängten Schutzzölle auf Stahl sind für die voestalpine mehr ein "vorübergehendes Ärgernis" als ein dauerhafter Schaden. Weniger als ein Prozent der voestalpine-Stahlproduktion in Linz werden in die USA exportiert, erläutert der Präsident der voestalpine steel corporation in New York, Wolfgang Neubauer, gegenüber der APA. Wegen der Ausnahmebestimmungen für Spezialprodukte sei von den USA-Exporten aus Linz nur die Hälfte überhaupt von den Schutzzöllen betroffen. Grundsätzlich spezialisiere sich die voestalpine auf hochqualitative Nischenprodukte.

Vom Exportvolumen aus Linz in die USA in Höhe von rund 60 Mill. Euro im Vorjahr bleibe rund die Hälfte durch Ausnahmebestimmungen von den Schutzzöllen verschont. Schmiede- und Gussprodukte, ca. 50 Prozent des Gesamtvolumens, sind überhaupt nicht betroffen. Bei den verbleibenden 30.000 Tonnen werde weiterhin mit den USA über Ausnahmen für gewisse Produkte verhandelt. In Zukunft könnten einige dieser Exporte wegen der Schutzzölle zwar wegfallen, wegen des hohen Dollarkurses bliebe der US-Markt für österreichische Exporte aber grundsätzlich weiterhin attraktiv, erwartet Neubauer.

Die Schutzzölle könnten sich jedoch indirekt auf Europa und dadurch auch auf Österreich auswirken, wenn Länder die bisher in die USA exportierten nun ihre Exportbestrebungen nach Europa verlagern, meint Neubauer. Insbesondere Exporteure aus Asien und Osteuropa könnten nun verstärkt versuchen, ihre Produkte in der EU abzusetzen. Dieser "Umleitungseffekt" könnte das Preisniveau in Europa drücken und dadurch die europäischen Stahlkocher treffen. Die EU werde dagegen jedoch vorgehen, erwartet er.

Gesamtwirtschaftlich werden die Stahlzölle der US-Wirtschaft "mehr Schaden als Nutzen" bringen, teilt der österreichische Stahlvertreter die Ansicht von US-Finanzminister Paul O'Neill, der laut Medienberichten mit Arbeitsplatzverlusten in der US-Industrie rechnet. Das wahre Problem für die US-Stahlindustrie sieht Neubauer nicht in den Importen, sondern im Restrukturierungsbedarf und der Konkurrenzsituation.

Die so genannten "mini mills", die Stahl aus Schrott produzieren, könnten wegen der niedrigeren Kosten den integrierten Stahlwerken am Heimmarkt scharfe Konkurrenz machen. "Die Verhängung von Strafzöllen auf Importe ohne verpflichtenden Restrukturierungsmaßnahmen wird der amerikanischen Stahlindustrie nichts bringen", ist Neubauer von der Ineffizienz der protektionistischen Maßnahme überzeugt. Die EU schätzt den Umsatzentgang für europäische Stahlfirmen in die USA durch die Schutzmaßnahmen auf rund zwei Mrd. Dollar (2,26 Mrd. Euro) pro Jahr.

Die voestalpine ist in den USA durch das von Neubauer geleitete Vertriebsbüro in New York sowie ein weiteres Vertriebsbüro in Houston, Texas, vertreten. In Louisville, Kentucky, hat die voestalpine ein Stahlverarbeitungsunternehmen gekauft. In Detroit, Michigan, wurde kürzlich auch ein Automobilzulieferunternehmen erworben.(APA)

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