Inka-Stadt "entdeckt"

20. März 2002, 10:54
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Archäologen in Peru: Gemeinsame Siedlung mit anderer Kultur

Cuzco - Es ist, so der einhellige Tenor der Experten, der spektakulärste Inka-Fund seit Jahrzehnten: jene sechs Quadratkilometer große Stadt, die Forscher unter Leitung des Publizisten und Hobbyarchäologen Peter Frost rund 1000 Kilometer südöstlich von Lima im Regenwald "entdeckten".

Als die Expedition nach vier Tagen Marsch auf den Berg der Siedlung kam, lebten zwei Indiofamilien dort. Die Stadt auf 3300 Meter Höhe, rund 40 Kilometer von der Inka-Metro- pole Machu Picchu entfernt, umfasste über 100 Strukturen: Wohnhäuser und landwirtschaftliche Gebäude, Bewässerungskanäle, eine Pyramide, Friedhöfe und geplünderte Turmgräber.

Frost vermutet, dass die Be- wohner den Ort zur Verehrung der umliegenden 5000er ausgewählt hatten. "Und sie haben hier wohl auch Himmelsbeobachtungen für den Inka-Kalender durchgeführt", sagte er der New York Times - auf (Kult-)Plattformen, deren höchste überraschender Weise nicht im Inka-Stil gestaltet ist. Offenbar lebte das Volk, das in vorspanischer Zeit selbst andere kolonisierte, an diesem nebelumwobenen Ort mit einer anderen Kultur friedlich zusammen.

Wann genau, will der peruanische Archäologe Alfredo Valencia von der Universidad San Antonio Abad in Cuzco noch nicht sagen. Nur so viel: Es habe wohl drei Besiedlungsschritte gegeben, den letzten Anfang des 15. Jahrhunderts. Details sollen weitere Grabungen mit Finanzierung der National Geographic Society ergeben. Die gefundene Keramik deutet auf eine frühere Besiedelung der Region als bisher angenommen.

Weiteres, nun untersuchtes Motiv, warum die Wahl ausgerechnet auf diesen abgelegenen Berg gefallen sein könnte: die nahen (Silber-)Minen. Darauf deutet - unscharf zwar - der Quechua-Name der Stadt hin: Corihuayrachina, zu Deutsch etwa "Gold, das im Wind schmilzt". (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.3.2002)

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