Britisches Unterhaus mit großer Mehrheit für Verbot der Fuchsjagd

19. März 2002, 10:06
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Aber keine Entscheidung - Debatte geht weiter ins Oberhaus

London - Mit großer Mehrheit haben sich die Abgeordneten des britischen Unterhauses für ein Verbot der Fuchsjagd ohne Wenn und Aber ausgesprochen. In einer Abstimmung am späten Montagabend votierten 386 Abgeordnete für ein völliges Jagdverbot, 175 sprachen sich dagegen aus. Zwei Alternativvorschläge, die Fuchsjagd zu Pferde unter bestimmten Auflagen zu erlauben, wurden abgelehnt. Die regierende Labour-Partei von Premierminister Tony Blair verfügt im Unterhaus über 410 der 659 Mandate. In Umfragen spricht sich die Mehrheit der Briten seit langem für ein Verbot der Fuchsjagd aus.

Aus der Downing Street war zuvor verlautet, auch Blair werde bei der Abstimmung, für die der Fraktionszwang aufgehoben war, für ein völliges Verbot des Traditionssports stimmen. Vor dem Parlament hatten während der vorangegangenen mehrstündigen Debatte Tierschützer und Jagdgegner lautstark ihre Positionen deutlich gemacht.

Die Abstimmung wird jedoch keine sofortigen Konsequenzen in der Gesetzgebung haben. Mit ihr wollte sich die Regierung nach offiziellen Angaben ein "Meinungsbild" über die heiß geführte Diskussion um die Jagd machen. Schon an diesem Dienstag will das Oberhaus (House of Lords) ebenfalls über die Jagd abstimmen und wird die Entscheidung des Unterhauses nach aller Voraussicht zurückweisen.

Wie auch die Unterhaus-Abgeordneten können die Lords zwischen drei Möglichkeiten entscheiden: Einem völligen Verbot, der Beibehaltung des jetzigen Zustandes, der die Fuchsjagd erlaubt, oder einer "dritten Lösung" der Lizenzierung der Fuchsjagd. Es wird erwartet, dass die Lords für den "Mittelweg" einer Lizenzierung der Jagd stimmen werden.

Erst nach dem Votum im Oberhaus will die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegen, der in der kommenden Parlamentsperiode, die im November beginnt, eingebracht werden und im Herbst 2003 in Kraft treten könnte. Trotz des unter Labour-Abgeordneten weit verbreiteten Wunsches nach einem völligen Verbot ist die Regierung nach eigenem Bekunden bei dem emotionalen Thema der Fuchsjagd um einen "Konsens" bemüht. (APA)

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