"Aufbruch in eine geschlechtergerechte Gesellschaft"

18. März 2002, 21:04
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Deutsche Grüne machen sich reale Gleichstellung zum Wahlkampfthema und gesellschaftlichen Ziel

Berlin - Die Grünen in Deutschland wollen die Gleichstellung von Frau und Mann zu einem zentralen Wahlkampfthema machen. Deutschland sei von realer Geschlechtergerechtigkeit immer noch weit entfernt, sagte Außenminister Joschka Fischer am Sonntag auf dem Berliner Parteitag. "Ich möchte, dass Deutschland zu einem kinderfreundlicheren Land wird, auch damit Frauen ihre eigenen Lebenswürfe durchsetzen können." Benachteiligungen im Arbeitsleben und die verbreitete Armut unter allein erziehenden Frauen müssten überwunden werden.

"Frauen wollen die Hälfte der Macht. Männer übernehmen die Hälfte der Verantwortung."

Die rund 700 Delegierten beschlossen mit großer Mehrheit das frauenpolitische Kapitel des neuen Grundsatzprogramms mit der Überschrift "Aufbruch in eine geschlechtergerechte Gesellschaft". Darin wird die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Entscheidungspositionen in Wirtschaft und Politik und die stärkere Beteiligung der Männer an Hausarbeit und Erziehung gefordert. Wörtlich heißt es: "Frauen wollen die Hälfte der Macht. Männer übernehmen die Hälfte der Verantwortung."

Frauenquote ist "große historische Leistung"

Fischer bezeichnete die Durchsetzung der Geschlechtergerechtigkeit als zentrale gesellschaftliche Reformaufgabe. Die Frauenquote, die er anfangs bekämpft habe, sei eine "große historische Leistung" gewesen und habe die grüne Partei und die deutsche Gesellschaft einen großen Schritt weiter gebracht.

Im Ausland sei die Unterdrückung von Frauen leider noch vielfach Realität, sagte Fischer. "Dies ist ein menschenrechtlicher Skandal." Die militärische Bekämpfung des Taliban-Regimes in Afghanistan sei auch im Interesse der Frauen geführt worden.

Bereiche der Medizin üben Druck auf Frauen aus

Die Grünen-Parteichefin Claudia Roth prangerte an, dass Frauen von Medizinern und Forschern zunehmend als "Eizell-Lieferantinnen und Embryonenspenderinnen" missbraucht werden. Diese Tendenz in der Gentechnik laufe dem Selbstbestimmungrecht der Frauen entgegen, sagte Roth. Zugleich kritisierte sie, dass vorgeburtliche Diagnosemethoden die Frauen quasi dem Zwang aussetzen, ein Kind ohne Behinderung zu gebären.
(APA/AP)

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