Werberat statt RichterIn: Ein sexistisches Beispiel

18. März 2002, 20:54
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Nicht überall sind Gesetze als Regulativ der Werbung erforderlich

Die gesetzlichen Werbebeschränkungen für bestimmte Produkte (zum Beispiel Medikamente oder Tabak), Medien und Werbeformen werden immer detaillierter. Doch es geht auch anders: Ethische Werbe-Kodizes und Selbstregulierung durch die Branche - zum Beispiel per Werberat - können verhindern, dass Unfälle verharmlosende oder sexistische Werbung verbreitet wird. Beispiele zeigen das.

Vielen ist der Werbespot einer großen Bank in Erinnerung, wo eine Frau in eindeutig sexistischer Darstellung auf den Vortrag über Anlagen in Fonds reagieren musste. Nach dem neuen ORF-Gesetz ist diese Werbung erlaubt, obwohl sie ausschließlich auf ein abzulehnendes Rollenbild von Frauen abstellte und diese zu Objekten degradierte. Der Werberat schritt hier jedoch ein.

Werbegremien auf nationaler und europäischer Ebene sehen auch solche Spots kritisch, in denen Claudia Schiffer und Konsorten nach einem Airbag-Crash unverletzt und gut frisiert aus einem Auto steigen. Interne Verhaltensregeln verbieten nämlich, dass die Kfz-Werbung gefährliche Verhaltensweisen verharmlost. Diese Richtlinien sind bis in Details wie die verpönte Darstellung von Privatrennen oder die unerwünschte Untermalung der Spots mit Reifenquietschen ausformuliert.

Dennoch müssen diese Regeln nicht in ein Gesetz gegossen werden. Es bedeutet einen weniger schweren Eingriff in das Grundrecht der Informationsfreiheit, wenn durch brancheninterne Regulative solche Spots "verurteilt" und hintangehalten werden.

(Gerhard Strejcek)
Der Autor ist Verfassungs- und Verwaltungsjurist, Juridicum Universität Wien.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.3. 2002)

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