Weltweit größte Studie zur Krebsvorsorge hat wahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen gebracht

20. März 2002, 11:38
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München - Die weltweit größte Studie zur Krebsvorsorge mit rund 3,5 Millionen Kindern hat nicht zu den erhofften Erkenntnissen geführt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Dienstag- Ausgabe berichtet, könne die Suche nach dem Krebs auch schaden. Bei der Untersuchung wurden 1,5 Millionen Kinder zum ersten Geburtstag durch einen einfachen Urintest auf Nervenkrebs (Neuroblastom) untersucht. Die Früherkennung verringerte den Ergebnissen nach nicht die Zahl der Kinder mit fortgeschrittenen Tumoren und deren schlechten Heilungschancen.

Dieses Früherkennungsprogramm könne derzeit nicht empfohlen werden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf den Stuttgarter Mediziner Freimut Schilling vom Olgahospital. Statt wie erhofft einigen krebskranken Kindern das Leben zu retten, habe die Tumorsuche dazu geführt, dass viele Kinder mit unnötigen Therapien behandelt wurden.

Oft gingen kleinere Tumoren offenbar von selbst zurück. Durch die Suche seien jedoch vor allem die Kinder mit solchen relativ harmlosen Tumoren aufgespürt worden. Bei zwei Dritteln der Kinder mit Geschwulsten sei es daher zu Überdiagnosen gekommen. Ihnen sei die Diagnose "Krebs" angeheftet worden. So mussten etwa 100 Kinder nach den Zeitungs-Angaben Operationen und Chemotherapien über sich ergehen lassen, die ihnen ohne Früherkennung erspart geblieben wären. Bei 55 Kindern seien Tumore übersehen worden.

Bei der Studie hatten die Ärzte die Tatsache genutzt, dass Neuroblastome Stoffe freisetzen, die im Urin nachzuweisen sind. Zwischen 1994 und 1999 hätten die Eltern von 1,5 Millionen Kindern den Urintest mit Hilfe einer Pappkarte in den Windeln gemacht. 2,1 Millionen Kinder, bei denen nicht nach einem Neuroblastom gesucht wurde, dienten als Vergleichsgruppe.(APA/dpa)

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