Revisionismus

18. März 2002, 20:14
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Die Kommission für das "Haus der Geschichte", in dem Österreichs tragische Verirrungen der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts dargestellt werden sollen, ist so zusammengesetzt, dass außer zwei Liberal-Konservativen und einem Sozialdemokraten erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik auch ein Deutschnationaler nun seine Sicht der Dinge einbringen darf (siehe auch Kommentarseite). Das ist die Versöhnung im Zeichen von Schwarz-Blau, dass diejenigen, die die Hauptschuld am Rutsch in die Katastrophe 1900-1945 tragen, nun die Geschichte mitschreiben dürfen. Aber das ist auch schon wurscht, denn der rechte Revisionismus sickert ohnehin auf breiter Front ein. Ein anderer Vertrauensmann der FPÖ, der Belgrad-Korrespondent Wehrschütz, erzählte jüngst die Geschichte Jugoslawiens so: " . . . und dann konnte sich Jugoslawien dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr entziehen". Genauso war 's. Von irgendwo kam der Zweite Weltkrieg daher. Hitler? Überfall der deutschen Wehrmacht? Terrorbombardement Belgrads? Ausgeblendet, weggeredet ins Nirwana des "Konnte sich nicht entziehen". Während die Kommissionen tagen, blüht der rechte Revisionismus. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 19.3.2002)
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