Tiroler verdienen unter dem Durchschnitt

19. März 2002, 13:17
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Schlusslicht bei den Einkommen - Spitze bei geringfügig Beschäftigten

Innsbruck - Tirols Arbeitnehmer sind in der jüngsten Einkommensstatistik der AK Tirol das bundesweite Schlusslicht. Einschließlich der geringfügig Beschäftigten weist der jährliche Bericht zur "Lage der Arbeitnehmer in Tirol" für das Jahr 1999 ein durchschnittliches Bruttojahreseinkommen von 20.070 Euro aus, um 11,5 Prozent weniger als der Bundesdurchschnitt (22.677 Euro). Noch größer der Rückstand der Tirolerinnen: ihre durchschnittlich 14.005 Euro bedeuten ein Minus von knapp 16 Prozent gegenüber anderen Österreicherinnen.

Die Gründe für die niedrigen Tiroler Einkommen sind vielfältig. Unter anderem nennt die Studie einen niedrigen Angestelltenanteil, eine ungünstige Branchenstruktur und einen hohen Anteil an Klein- und Mittelbetrieben.

Ein Schwerpunkt des Berichts widmet sich dem Segment der "atypischen Beschäftigungsverhältnisse" und der damit verbundenen unzulänglichen sozialen Absicherung von "Neuen Selbstständigen" und "Geringfügig Beschäftigten" (Bruttomonats-einkommen 2001: weniger als 296 Euro).

Geringfügig Beschäftigte

Hinter Vorarlberg (7,9 %) und Salzburg (7,1 %) hat Tirol (7 %) den höchsten Anteil geringfügig Beschäftigter bundesweit. "Vor allem Frauen und hier insbesondere Arbeiterinnen", charakterisiert Fritz Baumann, Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der AK diesen Personenkreis. Sieben von acht geringfügig Beschäftigten arbeiten in Dienstleistungsbranchen. Erhoben wurde auch, dass 7000 geringfügig Beschäftigte diese Tätigkeit neben einem Standardarbeitsverhältnis ausüben. 27.200 Personen hingegen waren im Jahr 2000 ausschließlich geringfügig beschäftigt.

AK-Präsident Fritz Dinkhauser erblickt in der Erosion der Normalarbeitsverhältnisse eine "sozialpolitische Zeitbombe". Wenn sich geringfügig Beschäftigte um 40,7 Euro monatlich kranken- und pensionsversichern können, sei dies "eine Rechnung, die nicht aufgehen kann", und eine "falsche Sozialpolitik". Auffallend ist aus Sicht der AK auch eine Verschärfung des Klimas in den Betrieben, die sich etwa in einem dramatischen Anstieg arbeitsrechtlicher Beratungen niederschlage. (hs, Der Standard, Printausgabe, 19.03.02)

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