63 Millionen Euro

19. März 2002, 18:54
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Ein TV-Tagebuch über den Untergang der Menschheit verursacht durch den RTL-"Shop" - 19. März 2002

Das "Big Diet Dreier-Set" ist nicht das Ende aller Wünsche. Wie nicht anders zu vermuten war und was RTL-"Shop"-Moderator Walter Freiwald zu Recht Tag für Tag verspricht: Die "Welt des Einkaufs" ist eine "wunderbare", und wochentags ab 8.05 Uhr werden nicht nur super Kautabletten zum Abnehmen, sondern auch sonst allerhand nützliche Waren feilgeboten.

Wir hätten zum Beispiel das formschöne Akupunkturgerät "Alphaleun, Marke Stimplus" um 102,02 Euro: "Die Stimulationsstärke ist regelbar", im Preis inbegriffen ein "Kopfhöreranschluss, um die Akupunkturpunkte in Ruhe zu finden". Die "aufblasbare Snow Rocket Rodel" wiederum zeichnet sich "vor allem im Tiefschnee" aus, "Calanis Formabell Dragees" helfen beim Abnehmen auf "Spirulinbasis". Schnell zugreifen heißt es auch beim "photoelektrischen Rauchmelder mit Laserstrahl, der den Weg zum Notausgang weist" oder bei der "Servus-grüezi-und-hallo-nach-Wien-Münze" mit garantierter Wertsteigerung.

Nun könnte man dem Glauben verfallen, diesen Plunder möge sich die werte Fernsehanstalt sonst wo hinstecken, denn kein Mensch würde für diese Nichtsnutzigkeiten auch nur einen Cent ausgeben. Ein fataler Irrtum, wie sich herausstellt: Der RTL-Shop gewann im ersten Jahr seines Bestehens doch tatsächlich 640.000 Kunden, hält bei einem Gesamtumsatz von 63 Millionen Euro und Tagesumsätzen von bis zu 750.000 Euro.

Wie es ausschaut, steht es um die Menschheit so schlecht wie nie. (prie/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 19. März 2002)

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