Richtiges Timing - Günter Baburek

18. März 2002, 19:18
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Am Montag voriger Woche hat der US-Pharmariese Baxter die Errichtung einer neuen Produktionsanlage zur Herstellung von Impfstoffen in Krems für 205 Millionen Euro bekannt gegeben. Eine Woche später kündigte Opel Austria an, 300 Millionen Euro in das Getriebe- und Motorenwerk in Wien-Aspern zu investieren.

Wer daraus etwas voreilig schließt, dass Österreich für ausländische Investoren ein ausgesprochen attraktiver Wirtschaftsstandort ist, befindet sich auf dem Holzweg. Eine von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) beim Institut für Höhere Studien (IHS) in Auftrag gegebene Studie über die Standortattraktivität Österreichs im europäischen Steuerwettbewerb weist genau das Gegenteil nach. Laut dieser Studie zählt Österreich für ausländische Investoren zu den unattraktivsten Wirtschaftsstandorten in der EU. Nur Portugal und Griechenland werden noch schlechter beurteilt.

WKÖ-Präsident Christoph Leitl war sich dieses Widerspruchs zwischen Theorie und Praxis offenbar bewusst und versuchte abzuwiegeln. Die Verfügbarkeit gut ausgebildeter und daher entsprechend qualifizierter Arbeitskräfte sei das wichtigste Kriterium für die Standortwahl eines Unternehmens. Aber auch andere Faktoren wie Energiekosten oder Höhe der Steuern würden eine Rolle spielen, meinte er und ließ IHS-Chef Bernhard Felderer die Vorteile einer Senkung der Körperschaftsteuer von derzeit 34 Prozent auf 25 Prozent preisen.

Dass Steuersenkungen für Unternehmen ein zusätzlicher Anreiz sind, ist unbestritten. Dazu bedarf es keines Gutachtens. Und der Wunsch nach einer Steuersenkung ist angesichts der heimischen Steuerquote von 47 Prozent durchaus legitim. Der Erfolg hängt aber meist auch vom richtigen Timing ab. (DER STANDARD, Printausgabe 19.3.2002)

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