Portugal: Barrosos Sprung von Mao zum Konservativen

18. März 2002, 19:06
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"Ich weiß, dass ich einmal Premierminister sein werde. Ich weiß bloß nicht, wann", sagte José Manuel Durão Barroso, als er vor drei Jahren nach einem heftigen innerparteilichen Machtkampf die Führung des Partido Socialdemocrata (PSD) übernahm. Portugal lachte, und die Zeitungskommentare machten ihn verächtlich zum "Mann, der niemals Premierminister sein wird". Durão Barroso, den sogar Parteifreunde öffentlich schlaff und unsicher nannten, behielt Recht; die Spötter von einst erklären das Unmögliche mit dem großen Widerstandsvermögen des PSD-Chefs und dessen Glück, immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu stehen.

1956 in Lissabon geboren, begann er seine politische Laufbahn während der Nelkenrevolution von 1974 - als die Demokratie einer jahrzehntelangen Rechtsdiktatur ein Ende machte - in einer kleinen maoistischen Partei (diesen Fleck im Reinheft suchte er später mit der Erklärung zu löschen, schon damals seien alle Mittel recht gewesen, um die Kommunistische Partei zu bekämpfen). 1980 trat der verheiratete Jurist und Politikwissenschafter dem PSD bei. Als Protegé des damaligen Premierministers Aníbal Cavaco Silva wurde er Zweiter Staatssekretär im Innenministerium, danach Staatssekretär für Äußeres und 1992 Außenminister.

Nach der Wahlniederlage Cavaco Silvas 1995 profitierte Durão Barroso vom Machtvakuum, das nach dem Ausscheiden des starken Chefs in der Partei entstand. Zwar scheiterte ein erster Versuch, das Parteipräsidium zu übernehmen, doch vier Jahre danach wählte ihn der PSD an seine Spitze, nicht als Liebkind, sondern als Kompromiss- und Übergangschef.

Dass er bei den Parlamentswahlen von 1999 gegen den damals noch beliebten António Guterres verlor, überraschte niemanden. Dass seine Partei bei den Gemeindewahlen vom letzten Dezember den SP so unsanft entthronte, dagegen schon. Seine Gegner in der Partei mussten zusehen, wie dem faden Kollegen die Macht vor die Füße fiel und ihnen die Felle vorzeitig davonschwammen.

Am Sonntag war man sich unausgesprochen einig, dass der PSD die Parlamentswahlen trotz und nicht dank seines Spitzenkandidaten gewonnen hat. Wie schon vor zwei Jahren glänzte Durão Barroso im Wahlkampf nicht mit Lösungsvorschlägen, Ide- en oder Charisma, sondern mit dem Niedermachen des Gegners und dem vagen Versprechen eines reicheren und gerechteren Portugals. Als Premier wird er in erster Linie beweisen müssen, dass er besser ist als sein Ruf. Die größte Herausforderung könnte dabei die Bildung der Koalition sein: Will Durao Barroso regieren, ist er wie seine Kollegen in Österreich, Italien und Dänemark auf Rechtspopulisten angewiesen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 19.3.2002)

Von Susanne Rindlisbacher
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    bild: der standard
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