Parken wie ein kleiner Kaiser

18. März 2002, 17:51
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In der Hofburg gibt es einen Kampf um "geheime" Gratisparkplätze

Wien - "Wenn das so ist, dann werden wir dem einen Riegel vorschieben." Es ist ja nicht so, das Wolfgang Beer Freude daran hätte, Parkplätze zu vernichten. Aber seine Aufgabe, betont der Burghauptmann der Wiener Hofburg, sei erstens klar und zweitens anders definiert, als dafür zu sorgen, dass Autofahrer immer neue Schlupflöcher zum Gratisparken in der City finden. Im Vorjahr war es ein Platz im Inneren der Burg. Dank eines immer wieder "versehentlich" entfernten Einfahrtverboten-Schildes am Ballhausplatz diente es Beamten des Bundeskanzleramtes lang als Gratisparkplatz.

Vom Standard darauf angesprochen, erklärte Beer damals, schon seit längerem - und gegen Druck mancher Amtsherren - zu versuchen, den autofreien Platz wirklich autofrei zu bekommen.

Parksheriffs haben nichts zu bestellen

Ähnliches dürfte nun im Burggarten anstehen. Denn eine abgelegene Ecke zwischen der Hinterfront der Nationalbibliothek und dem Ende des Palmenhauses, der so genannte "Bibliothekshof", hat sich zu einem Park-Geheimtip entwickelt: Da auf Bundesgrund, haben Parksheriffs hier nichts zu bestellen. Zu Bürozeiten ist daher jedes Fleckchen Asphalt zugeparkt. Augenzeugen berichten sogar über Streitigkeiten zwischen Autofahrern, die sich darüber in die Haare geraten, wer - Kraft längeren Kennens der Örtlichkeit - hier bei Parkplatzmangel das länger angestammte Parkrecht habe.

"Wir können die Zufahrt nicht einfach zumachen", bedauert Burghauptmann Beer: Der Bibliothekshof ist der einzige Ort, wo die Hofburg von Lieferanten erreicht werden kann. "Ich nehme mir auch heraus, dass einige unserer Autos hier stehen", so Beer, "die Hofburg hat keine Parkplätze, und soviel ist hier nicht los."

Privater Abschleppdienst

Die mittlerweile eingerissenen Zustände hält allerdings auch Beer für unhaltbar: Seit die automatische Torverriegelung zur Goethegasse regelmäßig kaputt gemacht werde, um die ungehinderte Zufahrt zu gewährleisten, überlege er auch, einen privaten Abschleppdienst mit der Freihaltung des Platzes zu beauftragen. "Solange das ruhig und friedlich vor sich gegangen ist, sah ich keinen Grund einzuschreiten. Aber wenn die Leute - wie mittlerweile auch am Josefsplatz - einfach hineinfahren, muss man irgendwann Gegenmaßnahmen ergreifen." (Thomas Rottenberg, Der Standard, Printausgabe, 19.03.02)

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