Den Schlüssel immer dabei

18. März 2002, 17:44
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Besser Leben mit Biometrie: Das Hantieren mit Passwörtern und Codes könnte bald der Vergangenheit angehören

Hannover - Unter all den produktreifen biometrischen Verfahren, die aufgrund von Körpermerkmalen wie Fingerabdruck, Gesicht, Iris oder Stimme identifizieren, ist der Fingerabdruck am bequemsten und leichtesten zu verwenden - tragen wir ihn doch ständig mit uns, erklärt Joerg Dahmen von Buchholz-Daburger von Siemens. Viele potenzielle Anwender interessieren sich dafür: Banken und Kreditkartenunternehmen, Auto- und Waffenhersteller und natürlich die Benutzer von Computern.

Die von Siemens entwickelten Sensoren zum Lesen von Fingerabdrücken sind inzwischen so klein und dünn, dass sie selbst auf eine Scheckkarte passen. In die Maus oder Tastatur integriert, darf einen Computer nur der benutzen, dessen Fingerabdruck am Gerät registriert ist. Die Daten bleiben dabei anonym, denn es wird nur der aktuelle Abdruck mit den lokal gespeicherten verglichen; die dazugehörige Person ist dem Computer nicht bekannt.

Mit dem Fingerabdruck können auch Microsoft-Office-Dokumente verschlüsselt und vor neugierigen Augen geschützt werden. Und natürlich eignet sich das Verfahren, um sicherzustellen, dass der Träger eines Ausweises auch sein Inhaber ist: Auf einem Chip sind die Fingerabdruckdaten gespeichert und können mit einem aktuellen Fingerabdruck zur Verifikation verglichen werden.

Schlösser

Dieses Verfahren kann auch für physische Schlösser verwendet werden: Berechtigte Personen haben eine Chipkarte (einen Ausweis), auf der ihre Abdrucksdaten gespeichert sind, beim Auflegen vergleicht das Schloss Abdruck mit Karte. Bei zentralen Anlagen kann damit viel Geld gespart werden, da kein Austausch von Schlössern nach einem Verlust eines Schlüssels nötig ist. Auch Reisende, denen ihre Schlüssel in der Ferne gestohlen werden, würden damit Nerven sparen.

Hersteller von Luxusautos wie Audi verwenden den Fingerabdruck, um individuelle Einstellungen vom Sitz bis zum Rückspiegel automatisch an den jeweiligen Fahrer anzupassen. Der Waffenhersteller Heckler und Koch wiederum denkt daran, seine Waffen damit zu schützen. Nur der für die Waffe registrierte Finger kann dann den Abzug betätigen. Ein Gangster, der die Waffe gestohlen hat, hat Pech - und ein Kind, das damit hantiert, Glück.

Fingerabdrücke in der Datenbank

Das Linzer Softwareunternehmen ekey geht einen anderen Weg: Es speichert die Fingerabdrücke in einer Datenbank; bei einem Onlineeinkauf oder einer Überweisung fordert Bank oder Kreditkartenunternehmen einen Vergleich an. Für den Persönlichkeitsschutz sorgt die Trennung der Datenbestände: Ekey weiß nicht, welche Personen zu den Abdrücken gehören, während die verifizierenden Unternehmen keine Fingerabdrücke haben. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 19.3.2002)

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    foto: ekey
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