EU-Beitritt hilft Bauern im Osten

18. März 2002, 17:09
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Brüsseler Kommission errechnet in Studie Einkommensvorteile für Kandidaten

Brüssel - "Drinnen sein ist besser als draußen bleiben", hieß die Parole, die EU-Agrarkommissar Franz Fischler am Montag für die Landwirte in den EU-Kandidatenländern ausgab. Zu Beginn des zweitägigen Agarministerrates in Brüssel legte die Kommission eine Studie vor, in der sie die Perspektiven der mittel- und osteuropäischen Bauern nach dem EU-Beitritt analysiert. Tenor: Vielen wird es besser gehen, keinem schlechter. Selbst im schlimmsten Fall könnten demnach die Ostbauern mit einem Einkommenszuwachs von durchschnittlich 30 Prozent rechnen.

Am Dienstag soll dies auch den Agrarministern der Kandidatenländer klar gemacht werden. Die sind bisher noch mehr als skeptisch angesichts der Tatsache, dass die EU ihre Bauern nach der Erweiterung nicht den EU- 15-Landwirten gleichstellen, sondern nur mit reduzierten Beihilfen ausstatten will.

Argumentationshilfen

Kommissar Fischler hatte dazu im Jänner eine gemeinsame Verhandlungsposition der 15 vorgeschlagen, die die Agrarminister nun weiter abstimmen wollen. Die Studie soll dabei vor allem der Kommission Argumentationshilfe bieten. Denn einige Mitgliedstaaten sind bisher nicht bereit, den Beitrittsbauern auch direkte Einkommenshilfen zu zahlen, wie die Fischler-Behörde vorschlägt.

Die Studie vergleicht drei Beitrittsszenarien mit dem Nichtbeitritt zur EU. In allen Beitrittsvarianten stünden die Bauern im Osten künftig besser da - trotz der drohenden schmerzhaften Umstrukturierungen. Einkommenssteigerungen von durchschnittlich 30 Prozent in allen acht Ländern stünden demnach bevor, selbst wenn die Bauern keine EU-Direkthilfen bekämen und sich nur auf die Interventionspreise (Mindestgarantien) verlassen müssten. Die Bandbreite der Steigerungen würde von 16 Prozent in Ungarn bis zu 60 Prozent in Tschechien reichen. Nur Sloweniens Bauern müssten mit einem geringen Rückgang rechnen.

Erhielten die Landwirte vom Beitritt an die vollen Direktzahlungen, würde ihr Einkommen durchschnittlich um 89 Prozent steigen.

Ginge es allerdings nach den Verhandlungsforderungen ihrer Regierungen, könnten die Bauern ihre Einkommen um bis zu 150 Prozent steigern, so die Kommission. Damit würden sie in manchen Ländern bis zum Dreifachen des nationalen Durchschnittslohns verdienen. Das böte wenig Anreiz, marode Betriebe zu restrukturieren oder zu schließen. (Jörg Wojahn, DER STANDARD, Printausgabe 19.3.2002)

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    foto: photodisc
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