EU verlangt österreichweit 57.000 zusätzliche Kinderbetreuungsplätze bis 2010

18. März 2002, 15:20
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Familienstadträtin Laska: Wien erfüllt EU-Forderung längst

Wien - "Die EU hat bei ihrem Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 15./16.3.2002 in Barcelona beschlossen, dass bis 2010 europaweit Kinderbetreuungsplätze für wenigstens 90 Prozent der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren sowie für 33 Prozent der Unter-Dreijährigen entstehen sollen" freut sich Wiens Familienstadträtin Grete Laska im Interesse der Kinder und deren Eltern.

In Österreich gab es laut ÖSTAT im Jahr 2000 241.184 Kinder unter 3 Jahren und 267.654 Kinder zwischen 3 und 6 Jahren sowie 263.537 Kinderbetreuungsplätze. Soll der von der EU gwünschte Standard österreichweit erreicht werden, so würden schon heute in Österreich fast 57.000 Kinderbetreuungsplätze fehlen. Die Errichtungskosten für diese zusätzlichen Kinderbetreuungsplätze wären mit etwa 250 Mio.EUR (3,5 Mrd.S) anzunehmen, der laufende jährliche Aufwand für eine gute Betreuung mit etwa 200 Mio. EUR (2,5 Mrd.S).

Vorbild Wien

"Mit unserem Angebot" so Laska weiter "liegt Wien weit über den Forderungen der EU. Würde man jenen Versorgungsgrad, der schon heute in Wien besteht, in ganz Österreich herstellen wollen, dann wäre der Bau von sogar 100.000 Kinderbetreuungsplätzen erforderlich."

Rund 12.503 Plätze für Kinder zwischen 0 und 3 Jahren stehen in Wien in städtischen und privaten Kindertagesheimen zur Verfügung. "Mit einer Bedarfsabdeckung von 48,9 Prozent, sind wir in Österreich federführend - 75 Prozent aller österreichischen Krippenplätze sind in Wien", so Laska.

Einzigartig in Österreich ist die flächendeckende Ganztagsversorgung (in städtischen Kindergärten: 20.642 Plätze, in privaten Kindergärten: 22.509 Plätze) für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren. Die Zahl der Betriebskindergärten, von denen es derzeit 34 gibt, die sich besonders nach den Bedürfnissen der Eltern und vor allem der berufstätigen Frauen richten können, hat sich in den letzten 4 Jahren nahezu verdoppelt.

In Wien ist außerdem für alle 6 bis 10-jährigen, die es benötigen, eine flächendeckende Nachmittagsbetreuung gewährleistet.

Weiterer Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen

Laufend werden etwa EUR 7 Mio (ATS 100 Mio) für Standardverbesserungen ausgegeben. 2002 können die derzeit in Bau befindlichen Kindertagesheime in der Speckbachergasse (16. Bezirk) und in der Bernoullistraße (22. Bezirk) fertiggestellt werden. Begonnen wird der Bau der Kindertagesheime Vorgartenstraße (2. Bezirk), Katharinengasse und Wienerberg City (10. Bezirk). "Mich freut die Forderung der EU besonders", so Familienstadträtin Laska, "da dadurch unser Wiener Weg bestätigt wird: Der Ausbau von pädagogisch hochqualitativen Kinderbetreuungseinrichtungen nützt den Kindern ebenso wie den berufstätigen Eltern und ist damit ein nicht zu unterschätzender Faktor einer Stadt- und Wirtschaftspolitik. Sparen an der Jugend oder im Sozialbereich ist mittel- und längerfristig schlicht und einfach ein Sparen an der falschen Stelle."

Pilotprojekt bis Herbst

"Doch im Interesse der meist berufstätigen Eltern versuchen wir, unser Angebot noch mehr kundInnenorientert zu gestalten", führt Laska aus. "Ab Herbst werden im Rahmen eines Pilotprojektes an 5 ausgewählten Standorten in verkehrsgünstiger Lage erweiterte Öffnungszeiten bis 20 Uhr angeboten. In sämtlichen Krippen und Kindergärten wird abgesehen vom Ganz- und Halbtagsmodell zukünftig auch eine Teilzeitbetreuung möglich sein". Diese neuen Besuchskategorien für Teilzeitbesuche werden ab dem Kindergartenjahr 2002/2003 angeboten und sind im Zusammenhang mit den neuen Tarifgestaltungen zu sehen.

Weitere Entlastung für einkommensschwache Familien

Um die tatsächlichen Kosten abdecken zu können, wird das gesamte Wiener Kindergarten-System, d.h. jeder Kindergartenplatz, gefördert. Die Beiträge, die die Eltern zu zahlen haben, sind sozial gestaffelt. Das bedeutet, dass lediglich ein Drittel der Eltern den "vollen Beitrag" in der Höhe von rund EUR 240 (ATS 3.310) inkl. Essensbeitrag bezahlen muss. Auch eine neue, kostenneutrale Tarifgestaltung, die derzeit vorbereitet wird, sieht die generelle Entlastung von einkommensschwächeren Familien vor - gegenüber dem derzeitigen System reduzieren sich die Kosten für alle Familien mit einer Bemessungsgrundlage unter EUR 1.180 (ATS 16.240). Die Bemessungsgrundlage für Familien, die keinen Besuchsbeitrag zahlen müssen, wird ab September 2002 um ca. ein Drittel auf EUR 1.000 (ATS 13.760) angehoben werden.


(red)

In den neun Servicestellen können sich Eltern persönlich, telefonisch, per Post, Fax oder e-Mail über das vielfältige Angebot informieren und ihr Kind für Krippe, Kindergarten oder Hort anmelden. Ein Infotelefon (Tel.: 277 55 55) steht Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr für alle Fragen rund um die Kinderbetreuung zur Verfügung.
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