Graz: Tauchen als Therapie

20. März 2002, 20:51
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Unterwasser-Reha für Unfallopfer - auch für Menschen möglich, die vom Hals abwärts gelähmt sind

Graz - Der Grazer Verein "Octopus", ein "Arm" der Tauchschule Pazifik, bietet Tauchen mit Behinderten an, um den Betroffenen "ein Stück der verloren gegangenen Freiheit wieder zu geben", wie es Tauchlehrer Manfred Kaiser formuliert. Auf der "Tauchbasis" am Grazer Schotterteich "Copacabana" ist alles behindertengerecht für Taucher mit Handicap adaptiert. Nun wagt man den Sprung in die Rehabilitation: Seit etwa einem Monat wird für Bewohner des Reha-Zentrum Tauchen Angeboten: Nach einer theoretischen Einweisung geht es mit unter der Aufsicht von drei speziell geprüften Tauchlehrern im hauseigenen Schwimmbecken unter Wasser - vorerst aber nur 1,60 Meter tief.

Der Auslöser für die Initiative war laut Kaiser ein Taucher, der nach einem Unfall zur Rehabilitation in Tobelbad war. Der Rest war eine Frage der Ausbildung. Bei der 1981 in den USA gegründeten und mittlerweile weltweit präsenten Handicapped Scuba Association (HSA) haben Kaiser und Kollegen eine Spezialschulung absolviert. Damit können sie behinderten Menschen den Zugang zur Schwerelosigkeit ermöglichen und nun Schritte in Richtung ständige Tauchtherapie machen.

Betreuung

Als Besonderheit kann die berufliche Konstellation der beiden Protagonisten der Tauchrehabilitation gesehen werden. Kaiser ist Psychologe, sein Hauptgebiet ist die Neuropsychologie. Dr. Andrä Wasler ist Facharzt für Chirurgie, Tauchlehrer, Tauchmediziner und Sachverständiger der Versicherungsanstalt AUVA. Beide halten die Therapie als besonders geeignet, sowohl nach Unfällen als auch bei Kinderlähmung, multipler Sklerose oder cerebralen Lähmungen. "Tauchen ist auch für Menschen möglich, die vom Hals abwärts gelähmt sind", so Kaiser. Sie würden dafür nur einen speziell zum "Buddy" geschulten Tauchkollegen benötigen.

"Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass durch regelmäßiges Gerätetauchen das Atemvolumen entscheidend vergrößert wird", so Kaiser. Zusätzlich verbessere das dreidimensionale Bewegen "unter praktisch schwerelosen Bedingungen, nur gegen den Widerstand des Wassers" die Koordination von Bewegungen von Menschen mit den verschiedensten Behinderungen. "Das widerlegt das Sprichwort vom 'an den Rollstuhl gefesselt' sein", ist der Tobelbader Sportlehrer Herfried Eisler überzeugt. (APA)

Informationen über Behindertentauchen, Ausbildung und Schulen:

HSA Europe

Octopus
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