AUSTRON nähert sich der Verwirklichung

18. März 2002, 13:13
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Finanzierungsplan für Großforschungseinrichtung - China zeigt Interesse

Wien - Nach mehr als zehn Jahren Planung kommt nun Bewegung in das Projekt AUSTRON. Das im Oktober 2001 bestellte Projektmanagement will bis Ende März einen Businessplan für die Großforschungseinrichtung vorlegen und eine "Tour des Capitales" durch potenzielle Partnerländer abschließen, wie Projektleiter Guido Klestil erklärte. In rund zehn mitteleuropäischen Ländern wurden bereits Gespräche auf politischer Ebene geführt und der Entwurf eines Memorandum of Understanding hinterlegt. Und seit wenigen Wochen gibt es - wie die APA aus zuverlässiger Quelle erfuhr - mit China einen völlig neuen, finanziell und wissenschaftlich überaus potenten Interessenten an dem Projekt.

Der ehemalige Alcatel Austria-Generaldirektor und Austrian Industries-Vorstand Guido Klestil (60) und sein Team, die im Auftrag des Bildungsministeriums seit Oktober des Vorjahres das Projekt managen, haben erstmals abgeklärt, welche Organisationsform sich für eine internationale Großforschungseinrichtung am besten eignen würde sowie das Marktumfeld und die "unique selling position" von AUSTRON analysiert. Weiters wurde die Höhe der Investitions- und Betriebskosten aktualisiert und versucht, internationale Beteiligungen möglichst zu konkretisieren.

Auftragsforschung

Diese Analysen hätten klar gezeigt, so Klestil, dass AUSTRON keine reine Grundlagenforschungs-Einrichtung wird. Er erwartet, dass rund 40 Prozent der Tätigkeiten direkt für die Industrie bzw. im Auftrag der Industrie über Uni-Institute durchgeführt werden. 35 Prozent seien im Bereich universitäre, anwendungsorientierte Forschung und nur 15 Prozent in der reinen Grundlagenforschung angesiedelt.

Die aktuellen Investitionskosten werden vom Projektmanagement nun mit 360 Mill. Euro (4,95 Mrd. S) angegeben, wobei in den ersten drei Jahren der rund sechsjährigen Bauphase nur etwa ein Zehntel der Gesamtsumme fällig wird. Klestil spricht von einer österreichischen Beteiligung an diesen Errichtungskosten in der Höhe von bis zu 40 Prozent. Die laufenden Kosten sind mit 40 Mill. Euro jährlich angegeben.

"Tour des Capitales"

In der "Tour des Capitales" hat Klestil in Budapest, Prag, Preßburg, Warschau, Laibach, Rom, Bern, Zagreb, Sofia und Bukarest bei Ministern bzw. Staatssekretären für das Projekt geworben und den Entwurf eines "Memorandum of Understanding" hinterlegt. Ein Besuch in Ankara ist in den nächsten Tagen noch geplant. Der Projektleiter bezeichnete die Gespräche diplomatisch als "aussichtsreich", dem Vernehmen nach soll es aber bereits handfeste Beteiligungszusagen einzelner Länder geben. Klestil erhofft sich jedenfalls in den nächsten Wochen konkrete Antworten der einzelnen Länder, auch wenn sich diese im einen oder anderen Fall durch innenpolitische Ereignisse wie Wahlen oder Budgetschwierigkeiten verzögern könnten. Bereits im Vorjahr hatte die EU-Kommission angedeutet, im Rahmen des geplanten 6. Forschungs-Rahmenprogramms zehn Prozent der Entwicklungskosten zu übernehmen.

Das Interesse Chinas an dem Projekt will Klestil weder bestätigen noch dementieren. Besuche österreichischer Vertreter soll es schon gegeben haben. China ist jedenfalls höchst interessiert an AUSTRON und hat sich bereits über Dritte über die schnelle technische Machbarkeit des Projekts erkundigt.

Konferenz

Als nächsten Schritt schlägt Klestil vor, eine erste Konferenz der potenziellen Partnerstaaten durchzuführen. Angepeilter Termin ist im Juni dieses Jahres. Notwendig sind nach Ansicht Klestils auch bedingte Beschlüsse seitens Österreichs. "Es muss einmal von offizieller Seite gesagt werden, dass wir bis zu 40 Prozent zahlen, wenn der Rest durch internationale Beteiligung hereinkommt", so der Projektleiter.

Offen ist auch noch die Standortfrage. Bei einer Mitte Februar beendeten Ausschreibung haben sich laut Klestil die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Salzburg beworben. Nun wird damit gerechnet, dass diese Bundesländer intensiv für sich werben. Das überzeugendste Argument wird dabei wohl die Höhe der finanziellen Beteiligung sein.

1990 geboren

Der Plan, in Österreich eine internationale Großforschungseinrichtung anzusiedeln, stammt aus dem Jahr 1990. Aus einem Projektwettbewerb ging 1993 AUSTRON - eine so genannte Spallations-Neutronenquelle - als Sieger hervor. Dabei werden Neutronenstrahlen erzeugt, indem Protonen (Wasserstoffkerne) in einem Beschleuniger auf hohe Energien gebracht und gegen ein sogenanntes Target gelenkt werden. Bei der Kollision werden die gewünschten Neutronen frei, die dann etwa zum Durchleuchten von technischen und biologischen Materialien eingesetzt werden können. Alternative Neutronenquellen sind etwa Kernreaktoren.

Die Bundesregierung sicherte zu, rund ein Drittel der Errichtungskosten - damals war von drei Mrd. Schilling (218 Mill. Euro) die Rede - aufzubringen, wenn der Rest durch internationale Beteiligungen finanziert wird. Im Vorjahr hat sich der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) positiv zu AUSTRON geäußert und der Regierung empfohlen, internationale Verhandlungen über die Finanzierung aufzunehmen und ein professionelles Projektmanagement einzusetzen. Der Ministerrat hat sich im Mai 2001 diesem Plan angeschlossen.

Im Sommer erfolgte dann die Ausschreibung des Projektmanagements, aus der ein Konsortium der beiden Wiener Consultingfirmen agiplan und WebCo als Sieger hervorging. Und Klestil wurde zum Projektleiter bestellt. Auch der ehemalige Außenminister Peter Jankowitsch, der bereits 1998 von der Regierung zum Koordinator des Projekts für die internationale Partnersuche bestellt wurde, ist mit im Projektteam. (APA)

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