"Österreich hat die EIB entdeckt"

18. März 2002, 14:19
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Ewald Nowotny, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank: Kreditvolumen in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt

Wien - "Österreich hat die EIB entdeckt". So charakterisierte der Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Ewald Nowotny, die Tatsache, dass sich das bei der EIB aus Österreich aufgenommene Kreditvolumen in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt hat und 2001 einen Wert von 820 Mill. Euro erreichte. Ein Grund hiefür könnte sein, dass nicht nur in Österreich, sondern in Europa überhaupt die Tendenz sinkender Investitionsquoten der öffentlichen Hand in Relation zum Bruttoinlandsprodukt besteht.

Die EIB könne hier einen Stabilitätsbeitrag leisten, denn bei längerer Investitionszurückhhaltung bestehe die Gefahr, dass Engpässe entstehen, vor allem im Verkehrs- und Gesundheitswesen.

In Österreich engagiert sich die EIB bei Schulausbauten, Krankenhausfinanzierungen sowie indirekt im Mittelstandsbereich. Für letzteren werden zwölfjährige Globaldarlehen an Banken gegeben, heuer wird der Schwerpunkt auf Regionalbanken gelegt. Erst letzte Woche wurde mit dem Halbleiterhersteller Infineon eine 40-Mill.-Euro-Tranche abgeschlossen, um mit einer neuen Technologiegeneration den Standort Villach abzusichern. Mit einem Spezialzweig, Risikokapitalfinanzierung, ist die EIB über ihre Tochter EIF (European Investment Fund) tätig. Die EIF hat sich hiefür in Österreich an sechs Venture-Capital-Gesellschaften beteiligt.

36,8 Milliarden Euro Kreditvolumen weltweit

Weltweit hat die EIB im Jahr 2001 ein Kreditvolumen von 36,8 Mrd. Euro aufgestellt, davon entfallen 31 Mrd. Euro auf Kredite innerhalb der EU, der Rest auf die Beitrittsstaaten und spezielle Programme, am Balkan und im Mittelmeerbereich. Infrastrukturkredite vergibt die EIB langfristig. Die Tilgungsfristen bis zu 27 Jahre sind während der Bauzeit tilgungsfrei gestellt, was den Schuldendienst verringert. Konjunkturstabilisierend wirkte die EIB zuletzt für in Schwierigkeiten geratene Branchen wie Telekom, Halbleiter und Venture-Capital. "Um echt antizyklisch zu reagieren, sind wir trotz unserer Größe zu klein, aber wir können gute Projekte weiterführen", sagte Nowotny.

Grundkapital wird aufgestockt

Das Grundkapital der EIB von 100 Mrd. Euro soll heuer um 50 Mrd. Euro aufgestockt werden, um der wachsenden Kreditinanspruchnahme gerecht zu werden. Der Kreditrahmen der EIB, der mit dem 2,5-fachen Grundkapital bemessen wird, ist derzeit mit 225 Mrd. Euro ausgeschöpft, eine Kapitalaufstockung wird laut Nowotny bis Ende 2002 notwendig. Die Mitgliedsländer koste die Kapitalerhöhung keine höheren Beiträge, da diese aus EIB-Reserven bestritten wird und nur 6,5 Prozent des Grundkapitals eingezahlt sind. Anfang Juli wird die Kapitalerhöhung dem Government board der EIB (EU-Finanzminister) vorgelegt, die Zusage gilt laut Nowotny als sicher.

Nowotny warnte davor, dass sich die EIB zu viele zusätzliche Aufgaben aufbürde und verwies dabei auf die "Mittelmeer-Fazilität", die beim EU-Gipfel in Barcelona beschlossen wurde. Ursprünglich sei gedacht gewesen, zur Unterstützung des EU-Mittelmeerprogramms eine eigene Mittelmeer-Bank zu gründen, doch wäre das zu zeitaufwendig gewesen. (APA)

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