Drei Jahre Haft für "Schlapfen-Lois"

18. März 2002, 13:06
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Bankraub: Bankangestellte "identifizierte" das Schuhwerk des Angeklagten

Linz/Graz - Schuldspruch wegen Beihilfe zum Bankraub und drei Jahre Haft - damit endete am Montag beim Landesgericht Linz vorerst der Prozess gegen einen 37-jährigen Steirer. Ihm hatte die Anklage vorgeworfen, den Tatort ausgekundschaftet zu haben. Dem Angeklagten wurde seine Vorliebe für ein Paar alte, braune "Schlapfen" zum Verhängnis - eine Bankangestellte "identifizierte" das Schuhwerk. Was nicht verwunderlich war, hatte der Mann doch auch im Gerichtssaal die braunen Dinger an den Füßen. Er wurde damit seinem Spitznamen "Schlapfen-Lois" gerecht.

Am 9. Juni 1999 hatte ein unbekannter Täter eine Raiffeisenfiliale in Linz-Urfahr überfallen. Der Mann erbeutete 1,153.000 S (83.793 Euro). Er konnte flüchten, im Zuge der weiteren Ermittlungen fiel der Verdacht auf einen Schausteller aus der Steiermark. Doch dieser starb bei einem Arbeitsunfall im Oktober 1999. Der jetzt angeklagte Steirer wurde in der Folge als mutmaßlicher Komplize ausgeforscht und in Untersuchungshaft genommen. Er soll zwei Tage vor dem Bankraub in der Raika-Filiale gewesen sein und sich dort besonders auffällig und nervös benommen haben. Auch soll er während des Überfalls "Schmiere gestanden" sein.

Weiter Untersuchungshaft

Der Angeklagte beteuerte beim Prozess seine Unschuld, er sei überhaupt nie in der Raika-Filiale gewesen. Allerdings wurde am Montag eine Bankangestellte als Zeugin befragt. Sie sagte aus, dass ihr zwei Tage vor dem Überfall der "nervöse Bankkunde" aufgefallen sei und es sich dabei um den jetzt Angeklagten gehandelt habe. Dies wisse sie nicht zuletzt deswegen, weil der Mann damals dieselben "Schlapfen" getragen habe wie der Angeklagte im Gerichtsaal.

Der "Schlapfen-Lois" wurde von dem Schöffengericht schließlich der Beteiligung an dem Bankraub schuldig gesprochen und zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit, der Staatsanwalt meldete Rechtsmittel wegen zu geringer Strafe an. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig. Der Steirer wanderte - in seinen Schlapfen - zurück in die Untersuchungshaft. (APA)

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    foto: standard/semotan
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