Airport-Express: Wiener ÖVP kritisiert Konzept der Schnellverbindung

18. März 2002, 12:36
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Verkehrssprecher Gerstl: Zu lange Intervalle und zu teuer - Stärkung der S7 verabsäumt

Wien - Das Konzept für den neuen Wiener "Airport-Express" stößt nicht überall auf Begeisterung. Der Verkehrssprecher der Wiener ÖVP, Wolfgang Gerstl, hat am Montag kaum ein gutes Haar an dem schnellen Zug gelassen, der ab 2003 den Bahnhof Wien-Mitte mit dem Flughafen verbinden soll. Die Bahn werde nicht Kosten deckend sein, nicht umweltfreundlich und verbessere die Situation im Nahverkehr nicht, kritisierte Gerstl. Zusatz: "Ich stelle das geplante Konzept in Frage, zu der Conclusio, dass man den Airport-Express gar nicht braucht, möchte ich vorerst noch nicht kommen."

Laut Gerstl gibt es Probleme mit der "Konfiguration" der Schnellverbindung zum Vienna International Airport. Wichtiger Kritikpunkt: "Der Halbstundentakt ist zu wenig." Was laut Gerstl auch für die - ab Ende 2002 - auf den selben Schienen fahrende Schnellbahnlinie S7 gilt. Die Stadt Wien habe es verabsäumt, die S7 zu stärken. Auch dort liege der versprochene 15-Minuten-Takt in weiter Ferne. Intervalle, die darüber liegen, würden aber von den Kunden nicht angenommen.

Nach Angaben von Wolfgang Gerstl ist es weiters unsicher, ob die Fahrzeit des Airport-Express tatsächlich nur 16 Minuten betragen wird. Der Flughafen-Zug sei außerdem viel zu schwer - gemessen an der erwarteten Fahrgästezahl. Eine Fernverkehr-Lokomotive wird demnach drei umgebaute Personenwagen ziehen. Die durchschnittliche Besetzung pro Zug betrage, wenn man von den Prognosen ausgehe, nur 29 Fahrgäste. Das bedeute ein Gewicht von 7,97 Tonnen pro Reisenden, hat Gerstl berechnet.

Laut Gerstl gebe es moderne Vorort- bzw. S-Bahnzüge, bei denen dieses Verhältnis besser ausfalle und wo somit weniger Energie verschwendet werde. Überhaupt sei der Airport-Express ein "losgelöstes System", ohne Anbindung an anderer Schienennetze. In der Stadt ist nach Ansicht des ÖVP-Politikers etwa mit langen Fußwegen zu rechnen, wenn man auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen will.

Zudem warnte Gerstl vor dem drohenden Aus des Konzeptes "City-Check-In". Das Einchecken außerhalb der Flughäfen sei derzeit in den USA aus Sicherheitsgründen in Diskussion. Sollte es grundsätzlich abgeschafft werden, funktioniere das Airport-Express-System in Wien nicht mehr. Überdies ist der Express laut Gerstl auch zu teuer. Viele Reisende werden die billigere S7 wählen, um zum Flughafen bzw. zurück in die Stadt zu kommen, so seine Befürchtung.

Der Wiener VP-Verkehrssprecher forderte die Betreiber auf, das Konzept zu überdenken. Die Gemeinde Wien solle außerdem Verhandlungen über eine Intervall-Verdichtung auf der Strecke aufnehmen. Denn laut ÖBB könnten zehn Züge pro Stunde dort verkehren. Geplant seien aber derzeit nur vier, nämlich jeweils zwei Garnituren von S7 und Airport-Express. "Außerdem soll es für Besitzer von Zeitkarten der Wiener Linien Vergünstigungen geben", verlangte Gerstl. Das würde den Airport-Express nicht nur für Reisende attraktiv machen, sondern auch für jene, die am Flughafen arbeiten. (APA)

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