Großauftrag für Opel-Werk in Aspern

18. März 2002, 20:00
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Standort längerfristig abgesichert - Teil der Mitarbeiter muss bis zum Produktionsstart 2004 in Arbeitsstiftung ausgelagert werden

Wien - "In Aspern rennt die Hack'n weiter." Opel-Austria-Chef Franz Rottmeyer suchte unüberhörbar sprachliche Kompatibilität, um die 2100 Mitarbeiter des Motoren- und Getriebewerkes im 22. Wiener Gemeindebezirk mit einer Frohbotschaft zu versorgen: Das neue Sechsganggetriebe für Autos der kooperierenden Konzerne Fiat und General Motors wird also in Wien-Aspern gefertigt und nicht im vormaligen Fiat-Werk im polnischen Bielsko-Biala, zuletzt der einzige Konkurrent für den Wiener Standort. Die Entscheidung war lange erwar- tet worden, gefallen ist sie schließlich am Sonntag, öffentlich verkündet wurde sie am Montag:

Investitionen

Für die Fertigung des neuen M20/M28-Getriebes sollen 300 Mio. EURO investiert werden. Der Produktionsstart ist für Februar 2004 vorgesehen, im Vollbetrieb sollen 800.000 Stück jährlich hergestellt werden. Das ältere F13-Getriebe läuft aber schon Ende 2002 aus. Für die Übergangszeit hat man zu viele Beschäftigte in der Getriebefertigung. Ein Teil der 800 Mitarbeiter davon soll in einer Arbeitsstiftung "zwischengeparkt" werden, ein Modell, wie es auch der Magna-Konzern im Grazer Autowerk Eurostar anwendet. Wie viele Mitarbeiter zwecks Umschulung ausgelagert werden sollen, wollte Rottmeyer noch nicht sagen. Nur so viel: "Wir sind in Verhandlungen mit dem AMS (Arbeitsmarktservice, Anm.)." Auch der Betriebsrat verweigert jede Auskunft dazu.

Zusätzliche Jobs werden je nach Auslastung nur in geringerem Ausmaß entstehen. Rottmeyer - der Mitte 2002 in Pension geht - sprach von bis zu 200 neuen Arbeits- plätzen.

Liefergarantie

Im internen Wettbewerb im Fiat-GM-Powertrain-Joint-Venture setzte sich Aspern durch, obwohl die Polen - außer mit niedrigen Lohnkosten - mit Steuererleichterungen und Förderungen argumentierten, so Rottmeyer weiter. Die "hohe Produktivität und Professionalität" in Wien sowie die "Garantie, dass wir zu einem bestimmten Zeitpunkt die erwartete Qualität auch liefern können" habe die Entscheidung zugunsten der Österreicher gebracht. Wäre die Entscheidung anders gelaufen, wäre ein Arbeitsplatzabbau notwenig geworden. Denn auch das Wiener Werk litt unter der gegenwärtigen Absatzkrise der europäischen GM-Hauptmarke Opel. Das Sechsganggetriebe ist für einen Einbau mit Automobilmotoren ab 2,2 Liter Hubraum vorgesehen und soll von sämtlichen Pkw-Marken der Konzerne GM und Fiat verwendet werden - also von Opel, Saab, Vauxhall, Fiat, Alfa-Romeo, Lancia.

Wiens Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder (SP) sagte, rund um den "Leitbetrieb Opel-Werk" solle nun die Entwicklung des "dritten Standorts des Automotive-Clusters ,Vienna Region'" forciert werden - neben dem Magna-Testgelände in Kottingbrunn und dem derzeit entstehenden Forschungszentrum in Wien-Floridsdorf (Pauker-Gründe). (szem, APA, DER STANDARD, Printausgabe 19.3.2002)

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