Junge Frauen fordern mehr Mitsprache

18. März 2002, 10:03
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Brauner zieht positive Bilanz aus der Ersten Wiener Mädchen-Frauen-
Konferenz der SPÖ-Frauen

Wien - "Ein voller Erfolg!": So lautete am Samstag Nachmittag das Resümee der Vorsitzenden der Wiener SPÖ-Frauen, Frauenstadträtin Renate Brauner, zum Abschluss der Jahreskonferenz der Wiener SPÖ-Frauen. Anlässlich ihrer Initiative "mädchenMACHT" hatten die Wiener SPÖ-Frauen ihre Jahreskonferenz in die "erste Wiener Mädchen-Frauen-Konferenz" umgewandelt, in deren Mittelpunkt ein "mädchenMACHT...Workshop" stand.

Interessen der Mädchen und jungen Frauen ernst nehmen

Ziel war es, gemeinsam mit Mädchen, jungen Frauen, Politikerinnen und Expertinnen über die Situation von Mädchen in Wien zu diskutieren und konkrete Projekte zu erarbeiten. Einige der Ideen können schon bald realisiert werden, wie beispielsweise die Schaffung einer Beratungsstelle für geschlechterspezifische Problemstellungen, die Konflikte zwischen SchülerInnen und LehrerInnen lösen hilft. Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl kündigte bereits an, dass es diese Stelle schon bald geben wird. Ein weiteres Anliegen der Mädchen und jungen Frauen fand ebenfalls Unterstützung: Die Erfahrungen aus Pilotprojekten, wie etwa der FrauenWerkStadt oder geschlechtssensiblen Parks, fließen in weitere Projekte ein. Brauner: "Unser Ziel ist, dass es zu einer Selbstverständlichkeit wird, in allen Bereichen auf die Interessen von Mädchen und Frauen zu achten."

Alltag in Wien

In vier Workshop wurden die Erfahrungen und Ideen der Mädchen und jungen Frauen diskutiert und schließlich allen KonferenzteilnehmerInnen vorgestellt. Mehr Fachfrauen in die Stadtplanung mit einzubeziehen, Mädchen bei der Gestaltung von Parks und öffentlichen Freiräumen mitreden zu lassen, Angsträume zu vermeiden und "Indoor-Parks" für den Winter zu schaffen, waren einige der Anregungen im Workshop "Alltag in Wien". Ganz oben auf der Prioritätenliste dieses Workshops standen auch die Öffis: Mehr Nachtautobusse, besserer Komfort bei den Haltestellen und Hebung des subjektiven Sicherheitsgefühls vor allem bei den Stationen der Nachtautobusse waren die Hauptanliegen der Mädchen. Im Workshop "Freizeit in Wien" wurde das vielseitige Freizeitangebot Wien gelobt, allerdings wünschen sich Mädchen und junge Frauen mehr Infos über das Angebot. Ein SMS-Dienst wurde ebenso angeregt wie ein Informationssystem in den Schulen.

Mehr Mitsprache gefordert

Der Workshop "Lernen und Arbeiten in Wien" befasste sich eingehend mit den sowohl in den Lehrplänen als auch in den Schulbüchern noch immer vorhandenen veralteten Rollenbildern, die beseitigt werden müssten. Außerdem wünschen sich Mädchen und junge Frauen Kontaktlehrerinnen, die bei Konflikten zwischen SchülerInnen vermitteln. Die Idee, eine "überschulische" Beratungsstelle für geschlechterspezifische Problemstellungen an Schulen - und zwar zwischen LehrerInnen und SchülerInnen - einzurichten, wird schon bald umgesetzt, versprachen Brauner und Brandsteidl. Im Workshop "Mitbestimmen in Wien" waren sich die Teilnehmerinnen einig, dass es mehr Mitspracherechte für Jugendliche geben müsse. Die Wahlaltersenkung auf 16 Jahre wünschen sie sich nicht nur auf kommunaler Ebene, sondern auch auf Bundesebene. "Im Nationalrat werden ja Gesetze beschlossen, die meine Zukunft betreffen. Da möchte ich doch mitbestimmen, wer für mich die Gesetze macht"; brachte ein Mädchen die Sache auf den Punkt. Zusätzlich zum Gender Mainstreaming sollte es auch ein "Jugend-Mainstreaming" geben, lautete eine weitere Forderung, denn die Interessen der Jugend sollten in allen Politikbereichen berücksichtigt werden. Damit Jugendlichen die Mitsprache in der Politik erleichtert wird, müssten sie auch entsprechend informiert werden. Daher forderten die Workshop-Teilnehmerinnen die Einführung des Pflichtfaches Politische Bildung bereits ab der Unterstufe.

Einflussnahme

Die Bilanz der ersten Wiener Mädchen-Frauen-Konferenz ist für die Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen, Frauenstadträtin Renate Brauner äußerst positiv: "Der heutige Nachmittag hat gezeigt, dass Mädchen und junge Frauen größtes Interesse daran haben, in der Politik mitzureden. Und Aufgabe der Politik muss es sein, die Interessen der Mädchen und jungen Frauen ernst zu nehmen und in alle Politikbereiche einfließen zu lassen."
(red)

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