Schwa zum Sog'n (II)

18. März 2002, 11:47
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Am Freitag wurde hier ein Dialog aus einem Waldviertler Landgasthaus wiedergegeben. Frage des Gasts, betreffend die als "Spezialität des Hauses" angeführte Räucherforelle auf Rohkostsalat: "Ist die warm oder kalt?"

Antwort der Kellnerin: "Schwa zum Sog'n." - Zehn Sekunden Wartepause. Gast gibt auf: "Wurscht, dann halt ein Schnitzel."

Bleibt die Frage offen, warum es "schwa zum Sog'n" gewesen sein konnte, ob die Räucherforelle "kalt" oder "warm" war. Hier ein paar Erklärungen: Die Forelle im Wasser gilt als kalt. Gekocht ist sie heiß, aber man kann sie auskühlen lassen. Das Gleiche trifft auf gegrillt und gebraten zu. Geräuchert? Na ja. Einerseits entsteht Rauch durch Hitze. Aber es gibt auch den kalten Rauch, etwa bei Zigaretten.

Eine geräucherte Forelle wird gerne kalt gegessen, z.B. mit Oberskren. Das könnte auch die Kellnerin gewusst haben. Nun war die Spezialität des Hauses allerdings ein Hauptgericht. Hauptspeisen wiederum werden in Österreich gerne warm gegessen. (Schnitzel, Schweinernes, Schweinshax'n, Schweinsbraterl).

Dies alles dürfte der Kellnerin durch den Kopf gegangen sein, als sie "Schwa zum Sog'n" erwiderte.

PS: Vielleicht sollte sie einmal den Koch fragen.

(DER STANDARD, Printausgabe vom 18.3.2002)

Von
DANIEL GLATTAUER

NACHLESE

Schwa zum Sog'n (I)
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