Entscheidung über Steinigungstod vertagt

18. März 2002, 20:45
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Nigeria: Mutmaßliches Vergewaltigungsopfer soll gemäß Scharia wegen Ehebruchs hingerichtet werden

Nairobi - Ein Berufungsgericht im Norden Nigerias hat am Montag seine Entscheidung über die vom Tod durch Steinigung bedrohte Safiyatu Hussaini auf nächsten Montag vertagt. Die 33-Jährige war im Oktober von einem Scharia-Gericht wegen angeblichen Ehebruchs verurteilt worden. Sie erklärt hingegen, Opfer einer Vergewaltigung zu sein. Die Europäische Union, Menschenrechtsorganisationen und Frauengruppen haben gegen das Urteil protestiert.

In der Anhörung vor dem Berufungsgericht im Bundesstaat Sokoto machte die Verurteilte klar, dass der angebliche Strafbestand auf die Zeit zurückreicht, in der das islamische Recht in dem Bundesstaat noch nicht galt. Nach diesem Recht ist jede Frau eine Ehebrecherin, die ein uneheliches Kind bekommt. Safiyatu Husseini gibt an, durch eine Vergewaltigung ihres geschiedenen Mannes schwanger geworden zu sein.

Präsident gegen Todesurteil

Die Mutter der inzwischen einjährigen Tochter wäre die erste Frau, die seit Einführung des islamischen Rechts in zwölf nigerianischen Bundesstaaten zu Tode gesteinigt würde. Sollte sie das Gericht nicht von ihrer Unschuld überzeugen, könnte sie noch einmal Berufung vor dem Obersten Gericht in der Hauptstadt Abuja einlegen. Dort hat Präsident Olusegun Obasanjo bereits erklärt, er wünschte, das Urteil würde nicht vollstreckt. Auch der EU-Gipfel rief das Gericht auf, das Urteil aufzuheben. Behördenvertreter des Staates Sokoto signalisierten am Wochenende, eine entsprechende Entscheidung sei "wahrscheinlich".

Staatsanwalt hält an Steinigung fest

Indes betonte der Staatsanwalt Mohammed Barau Kamarawa, die Frau habe in dem Verfahren alle Rechte genossen, die einer Angeklagten zustünden. Das Urteil sei nach einer umfassenden Untersuchung des Falls von dem Gericht gefallen.

Hintergrund

Seit der umstrittenen Einführung der Scharia ist es im Laufe der vergangenen zwei Jahre in mehreren Bundesstaaten des westafrikanischen Lands zu drastischen Strafen unter dem islamischen Recht gekommen. Zahlreichen Dieben wurden die Hände abgehackt. Ein überführter Mörder wurde gehenkt, ein Mann wegen Sodomie zum Tod durch Steinigung verurteilt. Sein Urteil wurde bisher jedoch nicht vollzogen. Eine junge Frau wurde für ihren angeblichen Ehebruch mit 100 Peitschenhieben bestraft.
(APA/dpa/Reuters)

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