Abtanzen trotz HIV-Gerüchten

17. März 2002, 23:07
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Discogäste zwischen Abgeklärtheit und Angst

Linz - Rund 1400 Jugendliche tummelten sich auch vergangenes Wochenende, so wie jede Woche, in der Nachtschicht, einer Großdiscothek vor den Toren der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Das rasant verbreitete falsche Gerücht, ein Unbekannter würde Besucher mit einer HIV-verseuchten Spritze stechen, hat die Lust am Saturday-Night-Fever bei den Jugendlichen kaum getrübt.

"Wir haben keine Angst, an der Sache ist sowieso nichts dran. Gehört haben wir aber schon vor zwei Wochen davon", erzählen Marc und Karin, zwei Gäste. Andere sind ängstlicher: "Mich haben ein paar Freunde schon gefragt, ob ich noch immer herkomme, trotz der Sache mit der 17-Jährigen", schildert ein anderer Jugendlicher. Wie berichtet, war vor einer Woche im Linzer AKH eine Schülerin nach einem Stich behandelt worden, der ihr in einer Disco zugefügt worden war.

"Die Hintergründe werden sich möglicherweise nicht mehr klären lassen", erläutert Alois Lißl von der Sicherheitsdirektion den Stand der Ermittlungen. Es sei nicht einmal klar, womit die Stichverletzung verursacht wurde. Der Beamte weist aber darauf hin, dass die moderne Sage mit dem HIV-Attentäter bereits im Sommer 2000 in Deutschland kursiert ist.

Über Bayern kam sie nach Oberösterreich, hier ist vorerst Endstation. Laut Nachtschicht-Geschäftsführer Jürgen Koitz sind Schwesternbetriebe, etwa in Wien, noch nicht betroffen. In auf den Tischen liegenden Zetteln wird nun aber dennoch jedem, der die Geschichte per Mail verbreitet, mit Anzeige gedroht. "Unsere Klientel ist im Durchschnitt 17 bis 19 Jahre alt, dadurch werden sie durch so eine Geschichte besonders verunsichert", erklärt er. (moe/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.3.2002)

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