"Man arbeitet sich Stückchen für Stückchen voran"

17. März 2002, 22:49
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Gläubigerbanken und KirchGruppe ringen um Ausweg aus der Finanzkrise - Vorerst kein Durchbruch erzielt

Die angeschlagene KirchGruppe und ihre Gläubigerbanken haben am Wochenende wieder um einen Ausweg aus der Finanzkrise gerungen. Bei einem Treffen der Kreditinstitute mit den Kirch-Krisenmanagern Sonntag Nachmittag in München wurde aber kein Durchbruch erwartet. "Man arbeitet sich Stückchen für Stückchen voran", hieß es in Verhandlungskreisen. Im Mittelpunkt des Treffens standen dem Vernehmen nach Szenarien für eine Sanierung der Gruppe. Bei einer Verhandlungsrunde am vergangenen Montag hatte die KirchGruppe den Banken vor allem einen Überblick über die finanzielle Lage gegeben.

Tausch

In Medienberichten wurde über Möglichkeiten zur Eindämmung der Schuldenlast bei dem Medien-Unternehmen spekuliert. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" will Medien-Mogul Rupert Murdoch seine 22-prozentige Beteiligung am Bezahlfernsehen Premiere World gegen Kirchs Anteil an der Formel 1 tauschen. Ein Kirch-Sprecher wollte die angeblichen Verhandlungen mit Murdoch über die Formel 1- Beteiligung nicht kommentieren. Der Konzern habe bereits früher betont, dass er für weitere Gesellschafter offen sei. In Branchenkreisen gilt der Tausch derzeit als unwahrscheinlich, auch wenn Kirch so eine Milliardenforderung Murdochs vermeiden könnte.

Frisches Kapital

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag-Ausgabe) erwägt Kirch ferner, mit der ARD über den Verkauf der Fernsehrechte für die Fußball-WM 2006 in Deutschland zu verhandeln und sich so schnell frisches Kapital zu beschaffen. Die ARD will demnach alle 64 Spiele kaufen und dafür etwa 250 Millionen Euro zahlen. Ein Verhandlungstermin stehe aber nicht fest, hieß es auf beiden Seiten. "Wir sind natürlich an den WM-Rechten interessiert und wollen sie gemeinsam mit dem ZDF erwerben. Darüber gibt es eine Option in dem bestehenden WM-Vertrag mit Kirch", sagte eine ARD-Sprecherin. Der Kirch-Sprecher sagte, es habe noch keine Verhandlungen gegeben. "Wir müssen die Gespräche führen und irgendwann werden sie losgehen."

Mittelpunkt der Krisengespräche

Im Mittelpunkt der Krisengespräche steht auch die Zukunft des hochdefizitären Bezahlsenders Premiere. Premiere-Chef Georg Kofler wird dem Aufsichtsrat an diesem Dienstag sein Sanierungskonzept vorlegen. Laut "Focus" will er damit 500 Millionen Euro jährlich sparen. Als ungeklärt gilt in Branchenkreisen aber, wer die dennoch zu erwartenden weiteren Verluste bis zum Erreichen der Gewinnschwelle übernehmen soll. Nach "Focus"-Informationen sollen die Schulden der KirchGruppe insgesamt mit 6,9 Milliarden Euro höher sein als zuletzt angenommen. Bisher war von 6,5 Milliarden Euro die Rede. Der Kirch-Sprecher sagte dazu lediglich, man habe den Banken Transparenz über die Höhe der Kredite verschafft.

Moderator gesucht

Die Kirch-Gläubigerbanken sind immer noch auf der Suche nach einem gemeinsamen Moderator. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ist nun der frühere Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer für diese Vermittlerrolle im Gespräch. Eine Entscheidung für Tietmeyer galt in Gläubigerkreisen jedoch als unwahrscheinlich. Dieser sei zwar bei allen Beteiligten hoch angesehen, verstehe aber vom operativen Geschäft zu wenig. (APA/dpa)

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