Kabarettist Wolfgang Gruner gestorben

18. März 2002, 11:11
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"Berliner Urgestein" erlag im Alter von 75 Jahren einem Krebsleiden

Berlin - Das "kabarettistische Urgestein" Berlins ist tot: Im Alter von 75 Jahren starb am Samstagabend der bundesweit bekannte und beliebte Schauspieler Wolfgang Gruner, wie die Geschäftsführerin des Kabaretts "Die Stachelschweine", Charlotte Reeck, am Sonntagabend bestätigte. Weitere Einzelheiten wollte sie nicht mitteilen. Nach Informationen des Senders Freies Berlin erlag Gruner einem Krebsleiden. Der 75-Jährige hatte zum Jahreswechsel einen Herzanfall erlitten und war mehrere Wochen in einer Klinik behandelt worden.

Der am 20. September 1926 geborene Gruner, der außerhalb der Hauptstadt als "Inbegriff der Berliner Schnauze" galt, war vor dem Krieg zum Steuerinspektor ausgebildet worden. Er sei immer stolz darauf gewesen, "ein außerplanmäßiger Steuereinnehmer zu sein", sagte er einmal. Doch in der sowjetischen Kriegsgefangenschaft, aus der er 1949 entlassen wurde, begann Gruner, Theater zu spielen - vor allem Frauenrollen. Neben Auftritten in Operetten gab er auch die Titelrolle in Ibsens "Nora".

"Stachelschweine"

Auf der Schauspielschule in Berlin lernte er später unter anderem Edith Hancke, Horst Buchholz und Harald Juhnke kennen. Von Juhnke ermutigt, stieß er 1951 zu den "Stachelschweinen". Seitdem stand er in mehr als 60 Programmen auf der Bühne und trat nebenbei in Klassikerinszenierungen und in Film und Fernsehen auf.

Mit seinem verstorbenen Freund Wolfgang Neuss spielte Gruner im Theaterstück "Zwei Berliner in Paris" und wirkte in dessen Film "Wir Kellerkinder" mit. Bekannt wurde er auch mit dem Straßenfeger "Telekehrer Otto Schruppke" in der Berliner Abendschau und als "Fritze Flink" in Wim Thoelkes "Der große Preis".

1965 zogen die "Stachelschweine" in das Untergeschoss des Europa-Centers. Zu Anfang sei dort Rauchen erlaubt gewesen. Der blaue Dunst habe dazu geführt, dass man die Schauspieler auf der Bühne nur noch schemenhaft erkennen konnte, erzählte der Kabarettist anlässlich seines 75. Geburtstages im vergangenen Jahr. Heute sei vor allem Comedy angesagt, und die meisten Kabaretts, die Deutschland politisch aufgemöbelt hätten, gebe es nicht mehr.

Wenn er drei Wünsche frei hätte, würde er sich zwei Mal Gesundheit wünschen, sagte Gruner damals. Sein dritter Wunsch galt seiner Kunst: Es solle ihm weiter genügend Kabaretttaugliches einfallen. (APA/AP)

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